Anfahrt durch das viktorianische Viertel Kloofnek, offene Veranden, nur selten Gitterstäbe vor den Fenstern, keine Wohnfestungen wie in Johannesburg. Die renovierte Seilbahn mit Rotationskabinen katapultiert uns binnen fünf Minuten auf das weltberühmte Wahrzeichen der Mother City.

1000 Meter über Null, ein atemraubender Anblick. Eine alabasterweiße Stadt am Atlantik, Hochhäuser, Hafenmolen, eine Bucht, elegant hingeschwungen, schwebend wie auf einem Aquarell. Und draußen auf dem Meer Robben Island, die Gefängnisinsel der Apartheid.

Kapstadt - eine moderne Metropole des Südens, jenseits von Afrika. Ein Stadtbild, das Italien und England verschwistert. Nichts, was an den schwarzen Erdteil erinnert. Die andere Wirklichkeit Kapstadts ist von hier oben nur zu ahnen: Nur 15 Autominuten trennen die Erste von der Dritten Welt, die Luxuswelt von den Elendvierteln - als lägen Monte Carlo und Kalkutta direkt nebeneinander. Clifton zum Beispiel, direkt unter dem Tafelberg: Weißer Sand, weiße Badejugend, dazu die Farbsymphonie des Atlantiks, aquamarinblau, türkis, smaragdgrün.

Drüben, auf der Nordflanke des Felsmassivs, beginnt Afrika, der "dunkle Kontinent". Aber davon haben die ZEIT-Reisenden bislang nur einen kurzen Vorgeschmack erhalten. Bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt passieren sie ein Meer von Baracken aus Pappe, Blech und Abfall: die Randbezirke der Township Nyanga.

Nachmittags ein Spaziergang durch Kirstenbosch, einen botanischen Garten der Extraklasse. Alleen aus urgewaltigen Kampferbäumen, unzählige Protea-Arten, Strelitzien, Wildkräuter - ein Fest der Düfte und Farben.

Schließlich der Besuch bei einer farbigen Mittelstandsfamilie in Wynberg, die uns in ihrem Wohnzimmer deftige südafrikanische Hausmannskost serviert: Butternut-Suppe, Wasserlilien-Curry, Huhn in Aprikosensoße. Und zum Nachtisch Pavarotti-Arien vom Hausherren.