Liquide am Lebensabend
Es gibt viele Arten der privaten Altersvorsorge - nicht jede passt
Die Eckpunkte von Arbeitsminister Walter Riesters Rentenreform stehen fest. Unter anderem sollen die Deutschen vom kommenden Jahr an zusätzlich privat vorsorgen - allerdings nicht zwangsweise, wie zunächst beabsichtigt, sondern auf freiwilliger Basis. Staatlich gefördert wird die Zusatzvorsorge, wenn das Geld in Lebensversicherungen, Investmentfonds und Banksparplänen angelegt wird. Auch die Kapitallebensversicherung kann in Riesters Förderkatalog einbezogen werden. Allerdings müssen die Hinterbliebenen im Todesfall des Versicherten die staatlichen Zuschüsse wieder zurückzahlen. Mit diesen Maßnahmen will Riester die Versorgungslücken ausgleichen, die das künftig auf 64 Prozent des bisherigen Bruttoeinkommens abgesenkte Rentenniveau hinterlassen wird.
Für Gering- und Normalverdiener beträgt die Förderung im kommenden Jahr 37,50 Mark pro Person und Jahr und 45 Mark zusätzlich pro Kind. Bis zum Jahr 2008 soll sie auf 300 Mark pro Person und 360 Mark je Kind anwachsen. Die Betroffenen sollen diese Hilfen als Direktzuschuss über die Finanzämter erhalten. Besserverdiener erhalten Steuervorteile über den Sonderausgabenabzug in der Einkommensteuererklärung. Die genaue Einkommensgrenze hierfür steht allerdings noch nicht fest.
Für die Versicherungen und Fondsanbieter gelten strenge Auflagen: Die staatliche Förderung gibt es nur, wenn sie die Rückzahlung der Sparbeiträge und eine lebenslange Rente garantieren. Die garantierte Rückzahlung muss, falls der Kunde den Versicherer wechseln will, erstmals nach zehn Jahren möglich sein. Außerdem müssen die Abschluss- und Vertriebskosten auf einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren gleichmäßig verteilt werden. Auch für die spätere Auszahlungsphase hat sich Riester Kriterien ausgedacht: Ein Auszahlungsplan muss über eine mindestens zehnjährige Laufzeit abgeschlossen werden.
"Ein Vorsorgeprodukt wie Riester es fordert, gibt es auf dem Markt für private Kunden noch nicht, wir müssen es neu entwickeln", sagt Norbert Heinen, Mitglied des sozialpolitischen Ausschusses im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ein Dorn im Auge ist ihm die Regelung, dass die Sparer im zehnjährigen Rhythmus auf ein anderes Vorsorgeprodukt umsteigen und das bis dahin angesparte Kapital mitnehmen können.
Allerdings ist die von Walter Riester vorgesehene private Vorsorge ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie füllt gerade mal die von der Rentenreform neu geschaffene Vorsorgungslücke. Wer seinen Lebensstandard im Alter halbwegs beibehalten will, braucht ein weiteres Kapitalpolster. Sicherheitsbewussten Anlegern bietet sich eine Lebensversicherung als Basis der privaten Vorsorge an. Allerdings gehen sie damit langfristige Verpflichtungen ein, die für Menschen mit wechselhaften Lebensläufen nicht mehr zeitgemäß sind.
Sofern ein Lebensversicherungsvertrag mindestens zwölf Jahre läuft, wenigstens fünf Jahre lang Beiträge eingezahlt werden und der Todesfallschutz mindestens 60 Prozent der insgesamt eingezahlten Beiträge umfasst, sind die Zinserträge steuerfrei. Derzeit garantieren die Lebensversicherer eine 3,25-prozentige Verzinsung auf das Sparkapital. Hinzu kommt die erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung.
Lohnend ist der Vertragsabschluss über den Arbeitgeber. Bei einer Direktversicherung mit Gehaltsumwandlung werden die Versicherungsbeiträge steuermindernd vom Bruttogehalt abgezogen und direkt vom Betrieb an den Versicherer überwiesen. Durch den zusätzlichen Steuerspareffekt - für diesen Gehaltsanteil verlangt der Fiskus nur eine pauschale Steuer von 20 Prozent - kann man eine deutlich höhere Rendite erzielen.
Alle diejenigen, die bereit sind, für mehr Gewinn auch größere Risiken in Kauf zu nehmen, können für ihr Alter auf Investmentfonds setzen. Ob die Rendite stimmt, hängt aber vor allem von der Verfassung der Aktien-, Renten- und Immobilienmärkte ab. Dass die Börse keine Einbahnstraße ist, machen die Märkte mit teilweise kräftigen Kursstürzen derzeit mehr als deutlich. Bei der Fondsauswahl sollten die Sparziele, der Zeithorizont und die persönliche Risikoneigung ausschlaggebend sein. Speziell für die Altersvorsorge gibt es die AS-Fonds. Dabei handelt es sich um Mischfonds, die maximal zu 75 Prozent und wenigstens zu 21 Prozent in Aktien sowie bis zu 30 Prozent in Immobilienanteile investieren.
Auch das eigene Haus oder die eigene Wohnung sind nach wie vor ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge. Bei der Finanzierung per Kredit gibt es zwei Varianten. Die meisten Bauherren verabreden mit der Bank eine konstante Zahlung. In den ersten Jahren besteht diese Summe nahezu ausschließlich aus Zinsen, später macht die Tilgung einen immer größeren Anteil aus. Die Alternative: nur die Zinsen zu zahlen und zum Schluss auf einen Schlag zu tilgen. Dazu muss parallel angespart werden, beispielsweise über eine Kapitallebensversicherung. Selbstständige, Freiberufler und Beamte können die Beiträge dazu im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen absetzen. In jedem Fall gilt: Bei Eintritt in die Rente sollte das Haus abgezahlt sein, um die Einkommenlücke zu schließen.
- Datum
- Quelle
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



