In der Provinz Ostpreußen gab es kein großes Konzentrationslager. Doch unmittelbar nach der Besetzung Polens 1939 begann die SS auf Danziger Boden mit dem Bau des KZ Stutthof, das bald zahlreiche Außenlager in Ostpreußen unterhielt. Diese wurden im Herbst 1944 "aufgefüllt", als man hier Arbeitssklaven brauchte, um sich gegen die heranrückende Rote Armee zu verschanzen. Meist waren es jüdische Frauen zwischen 16 und 40 Jahren, die das Lager Auschwitz als "arbeitsfähig" nach Stutthof überstellt hatte. Hinzu kam eine kleinere Gruppe männlicher Häftlinge aus Lagern im Baltikum.

Im Oktober stieß die Rote Armee zur Memel vor und setzte sich am Nordufer des Flusses fest. Sie drang auch bei Gumbinnen und Goldap ins Land, wurde dort aber wieder zurückgeschlagen, sodass sich für knapp drei Monate die Front südlich der Memel etwa an der Landesgrenze stabilisierte. Die Flüchtlinge aus dem Memelland und den Grenzkreisen, die zumal die Ortschaften im westlichen Samland, so auch das Bernsteindorf Palmnicken, überfüllten, blieben in der Hoffnung auf baldige Rückkehr erst einmal hier und zogen nicht weiter ins "Reich".

Um die Ardennenoffensive führen zu können, verlegte Hitler im November große Truppenverbände von der Ostfront nach Westen. Sie kehrten nicht zurück. So gab es in Ostpreußen kaum noch Reserven. Zwar wurden mehr als hunderttausend Männer zum Volkssturm einberufen. Doch der blieb dem Gauleiter Erich Koch unterstellt. Die Trennung zwischen Zivilverwaltung und Militärführung verschärfte das Flüchtlingschaos, als die Sowjets am 12. Januar 1945 ihre große Offensive begannen.

Die Opfer sollen in einem Stollen eingemauert werden

Nur 14 Tage brauchten die Rotarmisten der 2. und 3. weißrussischen Front, um zum Frischen wie zum Kurischen Haff vorzustoßen, Ostpreußen vom übrigen Reich abzuschneiden und Königsberg in die Zange zu nehmen. Nördlich der Stadt gelangten russische Verbände in den Rücken der 5. deutschen Armee und kämpften bereits am 30. Januar in der Nähe von Palmnicken mit Einheiten des XXVIII. Armeekorps, das den Brückenkopf Memel geräumt hatte und über die Kurische Nehrung zum Entsatz ins Samland einrückte.

Wer es noch konnte, machte sich auf den Weg zum total überfüllten Seehafen Pillau in der Hoffnung, von der Marine über die Ostsee nach Westen evakuiert zu werden. Für mehr als fünftausend Flüchtlinge, die sich auf den ehemaligen KdF-Dampfer Wilhelm Gustloff gerettet hatten, führte dieser Weg direkt in den Tod: Ein russischer Torpedo traf das Schiff am Abend des 30. Januar vor Pommerns Küste

binnen einer Stunde war es in der eisigen See gesunken. Just zur selben Zeit wurden in Palmnicken ungezählte Einwohner und Flüchtlinge entsetzte Zeugen des letzten und größten SS-Massakers in Ostpreußen, dem insgesamt ebenfalls mehr als fünftausend Menschen zum Opfer fielen.