Gefangen in der GedankenspiraleSeite 4/4

Bekannt ist nicht nur die Macht der Gerüchte und des Herdentriebs. Bekannt ist auch die Abneigung der meisten Menschen, etwas zu verlieren - ein Verhalten, dessen Einfluss von den Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky beschrieben wurde. Ein möglicher Verlust wiegt in den Entscheidungen der meisten Menschen schwerer als ein vergleichbarer Gewinn. Deswegen verkaufen viele Anleger Gewinneraktien zu früh, Verliereraktien hingegen zu spät: Der Anteil realisierter Gewinne auf den Aktienmärkten übersteigt bei weitem den Anteil realisierter Verluste. Die meisten Menschen hassen es einfach zu verlieren. Sie weigern sich, die Hoffnung aufzugeben, dass die Verliereraktie doch wieder an Wert gewinnen könnte, und warten so lange, bis es dann schließlich zu spät ist und die Preisblase platzt.

Gleich, ob sich die Preisblasen immer mehr aufblähen oder plötzlich platzen: In jedem Fall wird die Dynamik an den Börsen immer auch von Vorurteilen, Aberglaube, Emotionen und gegenseitiger sozialer Beeinflussung der Investoren bestimmt. Doch letzte Gewissheit kann auch eine fundierte Kenntnis der Psychologie nicht bringen. Genauso wie beim ZEIT-Wirtschaftsspiel braucht auch der Investor am Finanzmarkt letztlich etwas Glück. Oder wie ein Mitspieler schrieb: "Die exakte Berechnung der Zahl halte ich für so gut und so schlecht möglich wie die Berechnung des Börsenkurses von T-Online in drei Wochen."

Ernst Fehr ist Direktor des Instituts für empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich. Suzann-Viola Renninger ist seine Mitarbeiterin

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 48/2000
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