die zeit: In Ostdeutschland nehmen Zwangsversteigerungen von Immobilien wesentlich stärker zu als in Westdeutschland. Ist das ein Indiz dafür, dass Ost und West weiter auseinander driften?

Jürgen Heyer: Die Zahlen beunruhigen mich natürlich, weil sie Ausdruck unserer wirtschaftlichen Lage sind. Die Konjunktur in Ostdeutschland hat noch nicht so angezogen, wie wir es uns wünschen. Aber was die Eigentumsquote angeht, liegen wir in Sachsen-Anhalt mit 37 Prozent gleich hoch wie Nordrhein-Westfalen. Unser vordringliches Problem ist allerdings nicht die Hebung der Eigentumsquote, sondern der Wohnungsleerstand. Um den zu beseitigen, werden wir eine Menge Geld einsetzen.

zeit: Das heißt, bei Zwangsversteigerungen sollte der Staat nicht helfen?

Heyer: Da, wo wir selber Wohnungsbau gefördert haben, versuchen wir zu helfen mit Stundungen, Zahlungsaufschub und in Einzelfällen auch durch Nachförderung. Wenn wir keine Fördermittel gegeben haben, dann haben wir auf die Situation keinen Einfluss. Die versteigerten Häuser werden ja wieder am Markt untergebracht, dem Einzelnen können wir in diesen Fällen mit Fördermitteln nicht helfen.

zeit: Die Häuser werden oft zu sehr schlechten Bedingungen versteigert. In vielen Fällen kommt es mangels Nachfrage zu einem zweiten oder dritten Versteigerungstermin, bei dem keine Mindestgrenzen mehr gelten. Letztlich bleiben die ehemaligen Eigentümer auf hohen Restschulden sitzen.

Heyer: Wenn jemand ein Haus baut und es anschließend aufgrund der Wechselfälle des Lebens zu Schwierigkeiten kommt, das Haus zu halten, dann kann der Staat dieses Risiko nicht absichern. Es sind nicht immer nur wirtschaftliche Gründe, die zu Zwangsversteigerungen führen, sondern in sehr vielen Fällen Scheidungen, manchmal ist es auch Leichtsinn. Zu Anfang sind die Banken von einer prosperierenden Wirtschaft ausgegangen und haben daher ein bisschen sorglos Kredite vergeben.

zeit: Trifft demnach die Banken eine Mitschuld?