Was ist mit Amerika los? "Chaos", meldete Newsweek auf seinem Cover und munkelte schon von der "Verfassungskrise". Wie das? Dazu müsste ein offener Kampf um Macht und Vorrang zwischen den drei Gewalten - Exekutive, Parlament, Gerichtsbarkeit - entbrennen

perdu wäre die letzte Instanz, die friedlich und verbindlich entscheiden kann. Nur hat just diese, der Supreme Court, schon wieder das (bislang) letzte Wort gehabt - ein sibyllinisches und langatmiges zwar, aber doch ein zwingendes. Amerikas Verfassungsordnung hält.

Und die Uhr, die am 18. Dezember endgültig angehalten wird, läuft weiter.

Dann muss der 43. Präsident gekürt werden, ohne Wenn und Aber. Wer das sein wird, George Bush oder Al Gore, hat das Gericht klugerweise nicht gesagt. Es hat weder die Rechte der Wähler noch der Staaten usurpiert, damit die Verfassung geehrt und die Grenzen des eigenen Machtanspruchs nachgezogen. Was das für die foltergewöhnten Rivalen Bush und Gore bedeutet? Die klarste Antwort hat im Schnellschuss ein Gore-Anwalt gegeben: "Es sieht nicht ermutigend (für uns) aus."

Warum nicht? Weil die "Supremes" nun schon zum zweiten Mal dem allzu Gorefreundlichen Obersten Gericht von Florida auf die Finger geschlagen haben. Ins Unreine gesprochen, lautet die Botschaft aus dem neugriechischen Tempel zu Washington so: Die Entscheidung geht zurück an das Florida-Gericht.

Doch hätten die Richter wider den Gleichheitsgrundsatz der Bundesverfassung gesündigt, also mögen sie die Neuzählung in diesem Sinne überdenken.

Schließlich die Message zwischen den Zeilen: Die Uhr läuft ab