Weihnachtsstimmung auf der Hamburger Osterstraße. Zwischen den winterdürren Bäumen leuchten Sterne, in den Schaufenstern funkeln Lichterketten. Selbst am verkaufsoffenen Sonnabend bricht hier, auf der Einkaufstraße des Stadtteils Eimsbüttel, keine Hektik aus. Verkäufer wie Kunden geben sich gelassen. Doch der Schein trügt. Ringsum buhlen die Händler mit ausgeklügelten Kundenkarten um die Gunst der Käufer. Sie möchten ihre Kundschaft binden, bevor das Rabattgesetz im kommenden Jahr fällt und der Preiskampf umso härter wird. Denn auch hier sind die Menschen bestimmt von archaischen Trieben: Schnäppchen jagen, Punkte sammeln.

Ein tannengrüner Torbogen führt in die Parfümerie Rotermund, wo die Verkäuferinnen in der Weihnachtszeit zu Verpackungskünstlerinnen für edle Düfte werden. Das schlichte Kärtchen, das drei Prozent Rabatt einbringt, hat nicht das Flair der großen Welt. "Viele lassen sich jetzt hübsche Karten gestalten. Das war uns zu teuer", sagt Corinna Rotermund. "Wir machen das in Heimarbeit." 500 dieser eingeschweißten Papiere hat sie seit dem Frühherbst ausgeteilt. Wenn jetzt das Rabattgesetz fällt, muss sie womöglich auch mehr als drei Prozent nachlassen. Das würde ihr schwer fallen, denn die große Konkurrenz kann billiger einkaufen - und entsprechend mehr Nachlass gewähren.

Ohnehin hat Corinna Rotermund nur notgedrungen die Karte eingeführt. "Man kommt sonst als kleiner Einzelhändler nicht weiter", sagt sie. "Alle haben schon Kundenkarten." Die Apotheke gegenüber gewährt drei Prozent auf Kosmetika. Beim Stromversorger HEW, der wenig weiter ein Kundenzentrum betreibt, kann man per Karte Punkte bei Partnerfirmen sammeln

die tauscht man dann, gegen Zuzahlung, in Uhren, Sodamaschinen oder Trendroller. Und vor allem die Parfümerie-Anbieter ringsum locken mit ihren Kundenkarten.

Rotermund: "Die Konkurrenz ist einfach zu groß."

Bei Budni zum Beispiel, wenige Schritte weiter, sind ebenfalls ein paar teure Parfums zu haben. Die Drogeriekette mit 84 Filialen im Hamburger Großraum belohnte ihre Kunden schon in der Nachkriegszeit mit Rabattmarken. Im Mai dieses Jahres gab es dort das endgültige Aus für die nostalgischen Marken.

Stattdessen sammeln nun 170 000 Kunden Punkte auf ihrer "Budni-Karte". Wie viel Rabatt sie so erhalten, bleibt allerdings im Dunkeln. "Es ist ja auch keine Rabatt-, sondern eine Bonuskarte", sagt Andreas Jobmann aus der Werbeabteilung. Wer 50 000 Punkte gesammelt hat, soll möglichst aus dem Prämienangebot wählen. Er kann aber auch einen Einkaufsgutschein fürs übliche Sortiment bekommen. Vor allem aber bietet die Karte Rabatte bei Partnerfirmen, vom Tierpark bis zur Tanzschule. Denen wird so neue Kundschaft zugetrieben, die gleichzeitig Budni treu bleibt.