Roland Ernst hat einen Beruf, der in Klischees gepresst ist. Je nach Temperament nennen sie ihn einen Baulöwen, einen Baumogul, Immobilienhai oder -tycoon.

Nun sind, in diesem Sinne, Löwen, Moguln, Haie und Tycoons keine freundlichen Wesen. Aber Roland Ernst ist ein geradezu ungewöhnlich freundlicher Mensch.

Auf beinahe schlichte Weise zuvorkommend, aufmerksam, gewinnend. Der Besucher rätselt sogleich: Wie konnte ausgerechnet dieser Mann ein so gewaltiges Rad drehen - er hat weltweit über 12,5 Milliarden Mark verbaut? Und: Warum blickt ausgerechnet dieser Mann nun ins Nichts, umstellt von hässlichen Vorwürfen?

Tatsache ist, dass Roland Ernst sich vor dem Landgericht Bochum wegen Zahlung von Schmiergeldern und anderen (damit zusammenhängenden) Vorwürfen verantworten muss - die Hauptverhandlung ist ausgesetzt und beginnt Anfang nächsten Jahres neu. Tatsache ist auch: Am Freitag dieser Woche, am 15.

Dezember also, befinden seine Gläubiger darüber, ob sie ihn in die Pleite stürzen oder erst einmal weitermachen lassen.

Die Geschichte des Roland Ernst beschreibt den anfangs glücklichen, letztlich fatalen Ausbruch aus der Provinz in die Welt. Nüchtern schildert der 64-Jährige seine Stationen: 1958 Abitur, 1959 Gründung eines Möbelvertriebs in Eschelbronn bei Heidelberg, wohin er später übersiedelte

Mitte der sechziger Jahre wechselte er, eher zufällig, ins Immobilienfach - die große Zeit des Roland Ernst begann. Seine Kunden hießen Siemens oder BASF, ITT oder Lufthansa, Mobil Oil oder Unilever. Anfangs kaufte er noch an den Stadträndern "Grundstücke zu Spottpreisen", später hat er weltweit gewerbliche Objekte gebaut. Im Rückblick sagt Ernst: "Das ging alles wunderbar."