Es gibt Dinge, die man am liebsten vor sich selbst geheim hielte. In Weimar allerdings ist das besonders schwierig, denn selbst wenn man Buchenwald beiseite lässt, kommt man am Balkon des Hotels Elephant kaum vorbei, ohne sich an den Gröfaz erinnert zu fühlen: Hand hoch, Brust raus.

"Die Geschichte verfolgt einen hier", erklärt Rolf Bothe spöttisch. Der Direktor der Kunstsammlungen hat in den vergangenen Jahren hartnäckig für den intelligenten Umgang mit einem nahe beim Museum für Moderne Kunst gelegenen Prestigeobjekt nationalsozialistischer Baupolitik gestritten. Dass Bothe sich manchmal wie ein Rufer in der Wüste fühlte, versteht, wer in Thüringen anruft und sich nach dem bewussten Objekt erkundigt. "In Weimar gibt es kein Gauforum!", bekommt man von einer barschen Sekretärin um die Ohren gehauen.

Die Frau hat Recht. Schließlich ist das Ensemble - bestehend aus Aufmarschplatz, Glockenturm, Parteigebäuden und Gauhalle - nie vollendet worden. Namentlich das Herzstück, die Gauhalle, war bei Kriegsende ein bloßes Gerippe. Weil dieses sich nicht abreißen ließ (mancherorts baute die Partei selbst 1942 noch ausschließlich mit Material, hart wie Vorkriegsware), eine Sprengung aber gefährlich gewesen wäre, ummantelte die DDR es notdürftig und nutzte es als Mehrzweckgebäude. Vom MZG sprach denn auch schamhaft ungelenk die lokale Presse, als die einstige "Halle der Volksgemeinschaft" letzte Woche an die Firma Josef Saller verkauft wurde. Besser lässt sich ein Wahrzeichen totalen Umbaus, dem hier immerhin 150 Altstadthäuser weichen mussten, kaum klein reden.

Der Investor jedoch hat keineswegs vor, das despektierliche Erinnerungsstück bis zur Unkenntlichkeit zu renovieren und eine Fassade der Harmlosigkeit zwischen den Einwohnern und ihrer Vergangenheit hochzuziehen. Mit einem musealen "Kiosk" im dunklen Keller des künftig öffentlich zu nutzenden Klotzes will er sich noch weniger begnügen. Inspiriert vom Ansturm auf die 1999 hier gezeigte Ausstellung Aufstieg und Fall der Moderne, plant Saller eine kritische Dokumentation zur Geschichte des Gauforums und möchte dafür die Hohlräume in den riesigen frei spannenden Betonbindern nutzen, die auf dem Hallendach ein bautechnisch bemerkenswertes Karree bilden. Sechs Stockwerke über dem Boden können Weimar und der Rest der Republik dann vielleicht angemessen Distanz nehmen, während man Hitlers architektonischen Appell an die brutale deutsche Seele unerschrocken ins Auge faßt.