Kürzlich schüttete der chirurgische Chefarzt einer Flensburger Klinik einem Gast sein Herz aus. "Ach", seufzte er, "wen interessiert, wie gut oder schlecht wir hier unsere Arbeit machen?"

Der Grund für die akute Trübsalattacke: Studenten hatten sein blitzblank renoviertes Hospital hoch im Norden aufgesucht und die Patienten für eine Hausarbeit danach befragt, ob sie zufrieden seien. Die fanden das Haus ganz prima. Essen gut. Nachschlag reichlich. Und erst die Betten: "Immer picobello." Ein Gütesiegel Extraklasse also. Ob aber die neue Hüftprothese aus dem Flensburger Hause 14 Jahre hält oder 16 Jahre, war der Kundschaft nicht halb so wichtig. Wer frische Betten hat, so die Logik der Patienten, operiert auch gut.

Die Neuregelung des fünften Sozialgesetzbuches besorgt amtlich den Rest: Danach sind Krankenhäuser ab 2001 verpflichtet, ein umfassendes Qualitätsmanagement einzuführen. Genauso hip sind die entsprechenden Verbände. Sie haben die Gründung einer Bundesprojektgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) beschlossen. Die soll Krankenhäuser beim Qualitätssichern beraten. Hört sich gut an. Interessant wird es, wenn im neuen Wettbewerb der Krankenhäuser die beiden Güter gegeneinander antreten.

Wer siegt im Rennen schön gegen gut? Wählen Patienten eher das Haus mit dem besten Chirurgen und der versalzenen Suppe? Oder schätzen sie Gault-Millau-Punkte und nehmen wackelnde Hüften in Kauf?

Einem Hamburger Krankenhausmanager schwebt bereits die Synthese von gut und schön vor. Ein paar Krankenhäuser will er loswerden und den Platz für schöne Wellness-Angebote nutzen. Da bezahlen die Menschen dann eine Mark extra und dürfen sich nur halb so krank, aber doppelt so wohl fühlen. Vielleicht wird es dann mit dem erwirtschafteten Value auch schöne neue Krankenhäuser geben mit dem Butler am Bett und dem Maestro am OP-Tisch.

Das mit der Qualität, sagt der Manager, regelt der Markt. Dies aber setzt voraus, dass die Menschen erfahren, wie gut oder schlecht der Chirurg ist, dem sie sich anvertrauen. Doch an die Veröffentlichung der Daten ist nicht gedacht. Für den Kunden heißt das wie bisher: Hochglanzblätter mit Bestenlisten abklappern und selbst mit dem Finger auf dem Schrank nach Staubspuren suchen.