Kurz nachdem Jürgen Schrempp im Juli 1995 Vorstandsvorsitzender bei Daimler-Benz geworden war, zeigte er sich verärgert, dass nur wenige seiner leitenden Angestellten den Börsenkurs ihres Unternehmens kannten. Fünf Jahre und eine unglückliche Fusion später wäre Schrempp vermutlich dankbar, wenn seine Leute den Aktienkurs vergäßen.

DaimlerChryslers Börsenwert liegt zurzeit bei etwa 40 Milliarden US-Dollar.

Als die beiden Unternehmen im August 1998 fusionierten, waren sie zusammen doppelt so viel wert. Die Situation stellt sich damit noch drastischer dar als die unglückselige Übernahme von Rover durch BMW. Beide Fälle aber lenken den Blick auf andere globale Fusionen in der Automobilindustrie, denn auch General Motors und Daewoo stecken noch im Prozess der gegenseitigen Annäherung.

Daimlers Schwierigkeiten haben verschiedene Ursachen: ein allgemeiner Konjunkturabschwung in der amerikanischen Automobilindustrie, Chryslers schwerfällige Modellerneuerungen, hohe Kosten, verschärfter Wettbewerb und in den vergangenen zwei Jahren ein allgemeiner Verlust an Managementerfahrung bei Chrysler. Einiges davon kam keineswegs überraschend. Überraschend war nur, dass Schrempp offenbar nicht in der Lage war, die Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen. So kam ein Problem zum anderen.

Inzwischen erinnert Schrempp an einen schwer getroffenen Boxer, der nicht mehr überlegt reagieren kann. Das bestätigte sich insbesondere im Oktober.

Damals behauptete Schrempp, er habe das Zusammengehen von DaimlerChrysler nie als "Fusion unter Gleichen" betrachtet, sondern als Übernahme.

Unter anderem wegen dieser Äußerung wurde Schrempp nun verklagt. Selbst wenn er diese Attacke überstehen sollte und Chrysler wieder wettbewerbsfähig wird - die Fusion wird niemals die anfänglichen Hoffnungen erfüllen.