Der Mensch ist groß bzw. ungeheuer, wie Sophokles oder so ähnlich gesagt hat, und nichts ist ungeheurer bzw. größer als der Mensch. Noch größer aber ist die Frau. Ungeheuer. Man kann es jetzt, da wilde Stürme aus Südwest den einsamen Stadtwanderer gegen die regennassen Plakatwände von H+M pressen, wieder sehen, es, die große Blonde, die gewaltige Claudia. Sie schifft auf ihrem Blümchen-BH kaltblütig durch die Winternacht und ist, obwohl der Wandersmann furchtsam enteilt, immer schon da.

Er flieht vom Speersort ins stille Hildesheim, da sitzt die Riesin am Bahndamm und hat nichts außer einem Hemdchen an, die Beine sorgsam nebeneinandergestellt, als säße sie im Standesamt, ihr Blick verströmt Kälteschauer der Begehrenslosigkeit. Der Wanderer flieht nach London, und da, mitten im Schacht der Station South Kensington, dräut sie von der Wand, vierfach überlebensgroß, die BH-Blümchen wie Windräder und die Brüste wie Vollmonde überm Skagerrak.

Vieles ist ungeheuer, aber nichts ungeheurer als das Weib. Wo liegt die Vagina?, fragt furchtlos der Tagesspiegel in einem Bericht über den von H+M gesponserten Höhepunkt der Theatersaison, die Vagina-Monologe des Hamburger Schauspielhauses. Wahrscheinlich irgendwo zwischen Spitzbergen und dem Herz der Finsternis. "Wenn Deine Vagina sich anziehen würde, was würde sie tragen?", zitiert und fragt zitternd der Tagesspiegel, als hätte er die Bilder am Bahndamm und im Underground-Schacht nie gesehen. Was denn anderes als einen String mit Blümchen, wie Windräder groß, sodass sogar der blanke Hans, wie am Skagerrak der Westwind heißt, sich schämen muss.

Ach, Boris, Du einsamer Wanderer durch die Stürme des Lebens! "Wir haben gekämpft, wir haben geweint", sagst Du, "es gab einen Traum, und der ist zerplatzt." Nach neun Jahren Ehe mit Barbara. Weihnachten noch "im Kreise meiner Familie", sagst Du. Und dann? Hinaus in die Dunkelheit, wo ungeheure Riesinnen auf Dich lauern. Halt die Ohren steif.