Wer war Max Planck? Ein Nazionalsozialist, der als Wissenschaftsfunktionär den Krieg mit wissenschaftlichen Mitteln befeuerte?

Ein heimlicher Widerständler, der sich beim Führer für jüdische Wissenschaftler einsetzte? Oder eher ein unpolitischer Mensch, wie eine alte Archivaufnahme aus dem Jahre 1943 nahe legt. "In der gegenwärtigen Zeit", sagte Planck damals im Reichsrundfunk, "darf sich ein Mann der reinen Wissenschaft nicht vermessen, bei den großen militärischen und politischen Entscheidungen, die für die Zukunft Deutschlands von ausschlaggebender Bedeutung sind, durch eigene Arbeit mitwirken zu wollen." So jedenfalls stellte sich der Begründer der Quantentheorie am liebsten in der Öffentlichkeit dar.

Doch konnte er sich, Präsident der wichtigsten Wissenschaftsschmiede von 1930 bis Mitte 1937, wirklich aus allem raushalten? Unter anderem diese Frage versucht eine Kommission unabhängiger Wissenschaftler zu beantworten, die der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Hubert Markl, nach Jahrzehnten des Verdrängens 1998 berufen hat. Sie soll die Rolle der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus untersuchen, wie die Max-Planck-Gesellschaft bis zum Kriegsende hieß.

Zentrales Thema sind die medizinischen und psychiatrischen Forschungen an den Kaiser-Wilhelm-Instituten, die maßgeblich die Rassen- und Gesundheitspolitik der Nationalsozialisten unterstützt haben. Soeben berichtete der Historiker Jens-Christian Wagner, dass für die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mindestens 1000 Personen Zwangsarbeit geleistet haben. Innerhalb des kommenden Jahres erhofft sich die MPG Aufschluss über die Vergangenheit ihres prominenten Namensgebers. Die dürren Fakten, die bisher bekannt sind, zeichnen ein überaus widersprüchliches Bild des Nobelpreisträgers.

Planck ist ein glühender Patriot. Für Deutschland, sein Vaterland, ist er bereit, fast jedes Opfer zu bringen. Er träumt von einem starken Deutschland, das in der Welt wieder jenes Ansehen genießt, das es einst im Kaiserreich hatte. Die Begeisterungswelle, die der Erste Weltkrieg bei vielen Deutschen auslöst, hat auch ihn erfasst. Vehement setzt er sich unter anderem dafür ein, die deutsche Kriegsführung zu unterstützen. Als sein ältester Sohn Karl im Mai 1916 vor Verdun fällt, sagt Planck voller Stolz, Karl gehöre zu jenen, die "der Krieg gesund gemacht hat". Wie selbstverständlich bekennt er sich zu einer Revision des Versailler Friedensvertrages.

Insofern überrascht es nicht, dass Plancks Forschungsinteresse als Wissenschaftsfunktionär unter den Nationalsozialisten nicht allein den Naturwissenschaften gilt. Kurz nach Hitlers Regierungsantritt setzt er sich dafür ein, die Rüstungsforschung voranzutreiben. Darauf weisen die Untersuchungen des Historikers Helmut Maier hin, eines Mitglieds der Untersuchungskommission. Danach geht es Planck in seiner Zeit als Präsident vor allem darum, das Metallinstitut der Gesellschaft neu zu gründen, das als Folge der Weltwirtschaftskrise Anfang 1933 geschlossen wurde. Bis dahin hatte das Institut als die größte und renommierteste Forschungsstelle des Deutschen Reiches gegolten.

Anfang 1934 teilt Planck dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften mit, dass gerade die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, "welche schon seit längerer Zeit in enger Fühlungnahme mit der Heeresleitung und mit der Marineleitung zusammenarbeitet, ein lebhaftes Interesse an der Pflege und dem Ausbau der Wehrwissenschaften" hege. Planck hat Erfolg. 1935 hat die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wieder ihr Metallinstitut, das in den Folgejahren zu einer Rüstungsschmiede des Naziregimes wird.