Seit Wochen nervt der Bauer-Verlag die Kanzlerfamilie Schröder mit Schmuddelgeschichten über ihr Privatleben. Mal schreiben die Blätter über ein angebliches "Baby-Drama", dann wieder über vermeintliche Zudringlichkeiten einer Leibwächterin - und im Hintergrund orgelt der immergleiche Grundton: Die Neue an seiner Seite leidet und versagt.

Aber wenn es eine Frau gibt, deren bisheriges Leben eine Vorbereitung für das Amt der First Lady Deutschlands war, dann ist es Doris Schröder-Köpf. Seit je ist die Ausnahmesituation für sie der biografische Normalfall. Zusammen mit ihrem Bruder ist sie in ihrer Großfamilie die Einzige mit Abitur. Dass sie sich nach einer Zeit als Volontärin in Augsburg in den Kopf setzte, möglichst schnell in Bonn über die große Politik zu berichten, passte auch nicht recht in die Vorstellungen der Welt, aus der sie stammt. Mit 23 Jahren war sie die Jüngste in der Bonner Bundespressekonferenz. Das war damals in den Achtzigern fast eine reine Männerveranstaltung. Die zierliche Blondine ohne Hochschulbildung fiel in jeder Hinsicht auf. So etwas schult.

In dieser Zeit als Politik-Korrespondentin und später als Focus-Redakteurin in München gewann sie Kontakte und Einblicke ins politische Geschäft und lernte, sich selbstbewusst unter Medienmenschen zu bewegen. Gelegentlich vergessen die Geschichtenmacher der bunten Presse, dass die Kanzlergattin immerhin 16 Jahre lang für Bild, Express, Focus und die Augsburger Allgemeine geschrieben hat und durchaus die handelsüblichen Regeln kennt. Und sich zu wehren weiß, wenn sie übertreten werden.

Als sich ein Reporter des Bauer-Blatts Das Neue Blatt in die Schule der neunjährigen Tochter Klara einschmuggelte, Putzfrauen und den Hausmeister nach dem Kind ausfragte, reichte es. Das Ehepaar rief seine Anwälte an, und Doris Schröder-Köpf ging auch öffentlich in die Offensive.

Sie kennt ihre Gegenspieler. Und die Spielregeln

Woher diese Verfolgungswut? Wahrscheinlich sind Boulevard-Medien damit überfordert, die Patchwork-Familien im Schröder-Kabinett der Mehrfachgeschiedenen, der Eltern nichtehelicher Kinder und der getrennten Wohnsitze zu akzeptieren.

Einige von der anderen Seite hat Schröder-Köpf vor Jahren persönlich kennen gelernt. Andreas Fritzenkötter zum Beispiel, den langjährigen Medienberater von Helmut Kohl und heutigen Sprecher des Bauer-Verlages. Damals in Bonn war auch er ein junger Spund, ehrgeizig wie sie und ebenfalls ziemlich neu im Geschäft. Man traf sich im Hintergrundkreis "Die Kiebitze". Die Exjournalistin weiß sehr wohl die Interessen der ehemaligen Kollegen und ihre eigenen ganz pragmatisch zusammenzuführen. Kürzlich spielte sich in der Schröderschen Wohnung in Hannover folgende Szene ab: Der Sonntags-Schweinebraten schmorte im Ofenrohr, der Kartoffelsalat für Mann, Kind und einen Freund der Familie stand auf dem Tisch, als das Handy der Frau klingelte und Deutschlands auflagenstärkste Zeitung um einen Gastbeitrag bat.

"Die Gefühle einer Mutter zum BSE-Skandal" waren gefragt - 30 Zeilen.