Thomas Assheuer weiß offenbar mehr über die Gründe, die den Bischof von Hildesheim, Dr. Josef Homeyer, und den Gründungsdirektor des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover, Peter Koslowski, veranlasst haben, sich einvernehmlich zu trennen, als die Betroffenen selbst. Er sieht in seinem Artikel "Echte Nachmoderne" (ZEIT Nr. 49) schwerwiegende dogmatische Einwände gegen die philosophische und theologische Arbeit von Peter Koslowski hinter der Trennung am Werk, die die Beteiligten um des lieben Friedens willen verschweigen. Er aber kennt sie, und als treuer Sohn der Kirche fühlt er sich verpflichtet, sie ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Koslowski ist vom wahren Glauben abgewichen. Er ist ein Interpret Ernst Jüngers, er weiß nicht mehr, "wo christliche Philosophie aufhört und gnostische Mythologie anfängt", ihm "verdampft das Evangelium zur mythischen Anekdote". Der Bischof hat daher ganz Recht, sich von diesem Ketzer zu trennen, die ZEIT muss es geradezu von ihm fordern.

Thomas Assheuer sollte seine Kritik an Peter Koslowskis Arbeiten und seine Abneigung gegen Ernst Jünger, Mythologie und Gnosis nicht mit der Dogmatik der katholischen Kirche verwechseln, die in intellektuellen Dingen offenbar toleranter ist als er. Assheuer hat anscheinend auch die Arbeiten von Koslowski nicht genau gelesen, da diese jeden unkritischen Rückgriff auf den Mythos und den Gnostizismus scharf ablehnen.

Der Redakteur der ZEIT hat keinen Auftrag, nehme ich an, den "Ketzerbekämpfer" in einer so sensiblen Frage und Situation zu spielen, und keine sachliche Grundlage, die der Öffentlichkeit ausreichend begründete Trennung des Bischofs von Hildesheim und des Gründungsdirektors des Forschungsinstituts für Philosophie, die allein aus Differenzen über die Fortentwicklung des Forschungsinstituts folgt, mit Gerüchten über dogmatische Differenzen zu versehen. Die katholische Kirche bedarf schließlich nicht der Einschätzungen und der intellektuellen Vorlieben von Thomas Assheuer, um die Arbeiten eines Philosophen zu beurteilen.

Mit dem Satz: "Weil bei Koslowski das Evangelium zur mythischen Anekdote verdampft, entzieht ihm der Bischof offenbar den Segen", ist Assheuer ziemlich entgleist. Die ZEIT ist nicht der Großinquisitor in einer Auseinandersetzung um die Zukunft des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover, und ihr Redakteur sollte auch nicht seine Vorstellungen von "philosophical correctness" mit dem Lehramt der katholischen Kirche verwechseln. Die Behauptung, dass das Evangelium bei Koslowski zu einer Anekdote verdampft, findet im gesamten Werk Koslowskis auch nicht den Anschein einer Begründung. Der Autor bemüht sich vielmehr seit mehr als 15 Jahren um eine angemessene, das Christentum einschließende Philosophie, die weder Gnostizismus noch Mythologie ist. In einigen Wochen wird sein 900-seitiges Werk Philosophie der Offenbarung zu diesem Themenkomplex erscheinen.

Solange noch das kirchliche Lehramt und nicht die ZEIT über dogmatische Fragen entscheidet, hat Koslowski noch den Segen des Bischofs, wenn auch nicht seinen Auftrag für die Leitung des Forschungsinstituts. Wenn man sich wegen sachlicher Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft eines Forschungsinstituts trennt, muss die eine der beiden Parteien nicht notwendig häretisch sein. Auch in der katholischen Kirche ist ein sachlicher Dissens, was er ist, ein Dissens über Sach-, nicht über Glaubensfragen.