Wir schreiben das neue Kapitel einer langen Geschichte. Erst erfand ein Deutscher das Automobil. Dann legte ein Amerikaner mit dem Fließband los.

Schließlich ersann ein Japaner die Justin-Time-Produktion - das war, ein halbes Jahrhundert nach Henry Ford, bereits die zweite Revolution in der Autoindustrie. Heute nun tun sich Deutsche, Amerikaner und Japaner zusammen, um wieder einen Schritt voranzukommen. Schaffen DaimlerChrysler und Mitsubishi die dritte Revolution in der Autoindustrie?

Danach sieht es derzeit kaum aus. Die "Welt-AG", konstruiert von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, wird sogar als "schlechteste Fusion der Geschichte" (Washington Post) verlacht. Der Kurs der DCX-Aktie (so das Börsenkürzel) rutschte tief in den Keller. Das Unternehmen ist heute kaum noch so viel wert wie Daimler-Benz allein vor der Fusion mit Chrysler.

Mitsubishi, mit einem immensen Schuldenberg beladen, produziert in diesem Jahr tiefrote Zahlen, und die Chrysler-Group, die im Fusionsjahr 1998 noch Rekordgewinne schrieb, ist auf dem besten Weg, 2001 ebenfalls dick im Minus zu landen. Um Schrempps Vision vom global agierenden Weltkonzern zu retten, gehen jetzt deutsche Spitzenmanager in Auburn Hills/Detroit und Tokyo ans Aufräumen.

Erst wenn die Rettungspläne vorliegen, wird es richtig spannend

Als Daimler-Benz 1998 mit Chrysler seine "Hochzeit im Himmel" feierte, bestand anscheinend beim amerikanischen Partner kein großer Handlungsbedarf.

Und als Jürgen Schrempp in diesem Frühjahr mit Katsuhiko Kawasoe, dem damaligen Chef der Mitsubishi Motor Corporation (MMC), die deutsch-amerikanisch-japanische Allianz verkündete, war noch längst nicht bekannt, wie tief die Japaner in der Tinte sitzen. Wenige Monate später kam heraus, dass die MMC-Manager jahrelang Fahrzeugmängel gesetzwidrig vertuscht hatten. Das spürten die Japaner beim Absatz im Heimatmarkt. Die Verluste schossen nach oben.