Ein Mann treibt bäuchlings in einem Pool. Die Kamera schwebt über ihm wie ein Engel, der seinen Einsatz verpasst hat und sich mit einem Flügelzucken zurückzieht - manchen ist nicht zu helfen. Auch die Stimme des Mannes kommt von weit her. "Gehen wir sechs Monate zurück und schauen uns an, wie alles begann", sagt die Stimme aus dem Off, das bei Billy Wilder das Reich der Toten ist. Sie kennen diesen Film? Brendan auch. Brendan, der Antirealist aus Kieron J. Walshs Brendan trifft Trudy, kennt alle Filme. Nur vom Leben hat der junge Lehrer noch nichts gesehen. Was könnte angesichts seiner Kinoleidenschaft angemessener sein als die tröstlichen Posen der Filmgeschichte?

So kommt es, dass Brendan am Anfang von Brendan trifft Trudy die Wasserleiche gibt und dem Betrachter dieser komisch entstellten Szene einen Hinweis. "Ja", sagt der Selbstdarsteller, der in Gefühlen ertrinkt, "das ist Sunset Boulevard." Zumindest hätte Brendan das gern. Doch das Kino spottet seiner Lage. Mag ihm sein Alltag, in dem er Schulnoten auswürfelt und Erziehungsversuche seiner scheinheiligen Schwester Nuala über sich ergehen lässt, auch sterbenslangweilig vorkommen, tot ist er nicht. Seine Stimme klingt nur ein bisschen dumpf, weil er mit dem Gesicht nach unten in einer Dubliner Pfütze liegt. So sollte Trudy ihn sehen - und das wird sie. "Was spielst du jetzt wieder, Brendan?", fragt sie den dünnen Mann, den Dublins Regen durchnässt. "Flipper? Titanic?" So viel zu Trudys Kinoverständnis.

Gehen wir also zurück. Wie konnte das passieren? Wie es immer passiert. "Boy meets girl" heißt die Zauberformel des Kinos, die der irische Schriftsteller Roddy Doyle in seinem ersten Drehbuch auf den Kopf stellt. Brendan mag Trudy treffen, sie trifft ihn mitten ins Herz. Im Chor singt der Bariton mit neu gewonnener Resonanz insgeheim Trudys Loblied - und wird zur Zurückhaltung ermahnt. Der Dubliner Mittelstand, den Roddy Doyle so lakonisch portätiert wie dereinst die Underdogs seiner ebenfalls verfilmten Barrytown-Trilogie, hat es nicht gern, wenn jemand zu eigenständig klingt. Auch Brendans Schwester Nuala lebt von den Dämpfern, die sie anderen versetzt: Bis Trudy als leibhaftiger Paukenschlag beim familiären Antrittsbesuch das Heim der Golfschläger und Wohlstandstrophäen erschüttert.

Tagsüber lehrt die vermeintliche Montessori-Lehrerin den kinoversehrten Brendan, wie aufregend es ist, wenn das Leben aus der Rolle fällt. Nachts geht sie, geschmeidig wie die Katze auf dem Dach, auf Diebestour. So sehr hat sich Brendan schon an die Unberechenbare gewöhnt, die im Bett mit ihm Schweinchen Babe spielt, dass er für die schöne Diebin sogar Schmiere steht.

Nur gegen Nuala kann er sie nicht verteidigen, eine Schwäche, die ihm Trudy nicht verzeiht.

Kein Filmzitat, schon gar nicht die Bauchlandung in der Filmgeschichte, bringt Trudy zurück. Das Drehbuch, Gift und Gegengift eines vom Kino faszinierten Schriftstellers, gibt Brendan dafür die Chance, ein Held zu sein: wie im richtigen Leben, für das das Kino bürgen muss. Ohne die Fernsehkamera, vor die Brendan gerät, während er Trudys nigerianischen Freund Edgar vor der Abschiebung verteidigt, ginge es allerdings auch nicht. Dass Brendan sich verändert hat, muss Trudy in den Nachrichten sehen.

Entwaffnender könnte sie kaum sein, die Liebeserklärung, die Walsh und Doyle den Bildern zukommen lassen, die unsere Wirklichkeit durchdrungen haben. Das Fernsehen wird zum Fürsprecher des Kinofreaks, die "dokumentarische Kamera zur Helfershelferin der filmischen Illusion". Realität und Kunst sind wieder vereint. Zeit für den Abspann oder die Weiterentwicklung einer magischen Formel. "Junge wartet auf Mädchen" lautet sie bei Doyle, der noch nie glauben mochte, dass man von Glück reden könne, wenn das Happy End alle gleich macht.