Was kaum oder gar nicht zur Sprache kommt: Was tun wir denn eigentlich unzähligen Tieren an? BSE sollte ein Signal zum Umdenken sein. Haben wir doch bitte nicht nur Angst um unsere Gesundheit, sondern auch Erbarmen mit den Tieren. Lassen wir die schrecklichen Bilder von den Tiertransporten, dem brutalen Umgang im Schlachthof in unser Herz dringen. Abgestumpft und gefühllos schauen wir zu, wenn ganze Rinderherden geschlachtet werden.

Empfinden wir doch endlich Mitleid mit ihnen. Keine neuen "Modeschlachttiere", keine Alternativwildtiere, auf die der "Gourmet" jetzt ausweicht, sondern kein oder zumindest viel weniger Tierfleisch auf dem Speisezettel. Wir sollten endlich die Verantwortung für unser Tun an unseren Mitgeschöpfen übernehmen.

Isabella Lutz Stuttgart

Der irrwitzige Konsumwahn zu Niedrigstpreisen, verbunden mit den entsetzlichsten Bedingungen für die Tiere in der Massentierhaltung, ist zweifelsohne eine der wesentlichen Ursachen für das BSE-Problem. Immer mehr Fleisch, immer mehr Rinder, immer mehr Abfälle, die zu Tiermehl verarbeitet werden (müssen), weil man nicht mehr weiß, wohin damit. Was wir brauchen, sind nicht neue Tests oder alternative Entsorgungsmöglichkeiten für Tierkadaver, sondern eine ethische Grundeinstellung zu Tieren, die es uns verbietet, sie aus Profitgründen zur Sache zu degradieren, art- und tierschutzwidrig zu halten und nach Gutdünken umzubringen. Betrachtet man den Hunger in der Dritten Welt, ist es nicht etwa eine Sünde, Tiermehle zu "verschwenden", indem man sie nicht mehr an Tiere verfüttert - wie vom Vorsitzenden der Fleischmehlindustrie, Manfred Brunner, suggeriert. Vielmehr ist es ein Verbrechen, Ressourcen in Form von Getreide aus eben diesen ärmsten Ländern abzuziehen und nach Deutschland zu importieren, um eine aberwitzige Zahl an Tieren unter qualvollen Bedingungen zu mästen und zu töten und dann durch übermäßigen Fleisch- und Milchproduktekonsum die Verfettung der Bevölkerung mit all ihren gesundheitlichen Problemen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und so weiter zu fördern.

Harald Ullmann Stuttgart

Wenn diejenigen Leser, die sich mit heiligem Eifer seit Wochen an der Diskussion über das Wort "Leitkultur" beteiligen, ihr Interesse nun dem neuen - im Trend liegenden - Thema BSE zuwenden, sollten sie vielleicht einmal mit gleicher Gründlichkeit dem heute gebräuchlichen Wort "Tierproduktion" nachspüren.

"Produziert" eine kalbende Kuh Kälber, oder finden Produktionsprozesse nicht in Stahlwerken, Maschinenfabriken oder Chipfabriken statt? Wir sprechen von "Tierproduktion", wir "keulen" ansteckungsgefährdete Produkte (wenn es sein muss, ein paar tausend Schweine und Hunderte von Rindern) und verbrennen sie