Sie ist wohl so alt wie das Kino selbst: die Figur des ergrauten Frauenhelden, dem zuletzt doch noch das Familienglück winkt. Weil halt die Richtige erst kommen muss, eine, die ihn um den Finger wickelt, ohne dass er's merkt. Nur: Etwas angestaubt ist die Mär vom gezähmten Casanova mittlerweile auch, und darauf hat das Kino natürlich reagiert - und schickt seitdem die Kinder vor. Nun liegt das Kunststück der moralischen Bekehrung an ihnen, mit Kulleraugen und Schnullerblick, drei Männer für ein Baby oder umgekehrt. Und jede Menge Soap!

Aber man kann so eine Vater-Kind-Geschichte auch anders erzählen, etwa mit verhaltener Ironie wie in unserem Film: Da gibt's zwar eine Hochzeitsfeier, doch keine Hochzeitsnacht. Und als die Braut sich aus dem Staub macht, ist das dem Mann nichts wert. Doch dann fällt die Mitgift anders aus als geplant, wird aus dem Arrangement Pflicht, aus der Not eine Tugend. Und am Ende wird aus alldem sogar Liebe - wunderschön und zärtlich, ergreifend und klar.

Dass der Film ohne Scheu auf die ganz großen Gefühle setzte, hat gewiss zu seinem nationalen, schließlich auch internationalen Erfolg beigetragen. Aber es steckte noch mehr darin: die Botschaft, dass sich selbst die festgefahrensten Verhältnisse ändern lassen, wenn man nur fähig bleibt, aufeinander zuzugehen. Und dies war durchaus auch politisch gemeint.

Den Hauptdarsteller mit den mal neugierig, mal unendlich verlassen dreinschauenden Augen hatte der Filmemacher in einem Kindergarten entdeckt.

Die zweite Hauptrolle besetzte er mit seinem Vater, mit dem er schon bei vorigen Projekten im Team gearbeitet hat. Der Vater hatte übrigens auch am Drehbuch mitgeschrieben und darin eigene bedrückende Erfahrungen verarbeitet.

Familienbande - vor und hinter den Kulissen.

Der junge Regisseur aber stellte sich mit dieser éducation sentimale selbstbewusst in die cineastische Tradition seines Landes und gilt seither als dessen größtes Talent. In der kommenden Woche ist sein Film erstmals im Fernsehen zu sehen: Wie heißt er?