Diese Augen! Große braune Saugnäpfe, oft von einem leichten Tränenschleier überzogen. Dazu beben die Lippen, deren Lächeln nie ganz frei zu sein scheint. Als zöge ein tief sitzender Schmerz ihre Besitzerin hinab in die dunklen Gefilde der Melancholie. Viele Männer reagieren auf diesen Anblick mit Beschützerinstinkten - und würden die dunkle Schöne gern aufheitern.

Obwohl sie bislang noch keine Nacktszenen drehte, wurde sie von der amerikanischen Boulevardpresse immer wieder unter Implantatverdacht gestellt.

Aber hat sich schon mal jemand Gedanken über die Augen gemacht? Oder die Haare? Im Juli jedenfalls gestand sie dem Magazin Harper's Bazaar, dass sie in Wahrheit blond sei. Wenn sich nun noch herausstellt, das ihre Augen blau sind, was bleibt dann übrig von der Winona Ryder, wie wir sie kennen?

An Wechselspiele hat sie sich früh gewöhnt. Als Teenager bezog sie Prügel von schwulenfeindlichen Mitschülern, die sie für einen Jungen hielten. Damals hörte sie die Sex Pistols, färbte sich die Haare schwarz. Ihren Vornamen erhielt sie nach dem Ort ihrer Geburt, Winona/Minnesota. Den Nachnamen Ryder nahm sie an, weil Mitch Ryder der Lieblingsmusiker ihres Vaters war. Klein Winona wuchs ohne Fernseher und zeitweise ohne Elektrizität auf. Ihre Eltern zogen durch die Hippiekommunen Nordkaliforniens, bis sie sich schließlich mit einem alternativen Buchladen niederließen. Allen Ginsberg, Aldous Huxley und Timothy Leary gehörten zum engen Freundeskreis der Eltern.

Kein Wunder, dass sie in Ein amerikanischer Quilt als latzhosentragendes Küken den alten Damen, bei denen sie den Sommer verbringt, erst mal eine gute Ladung Rauchkraut mitbringt. Doch unter der liberalen Oberfläche dreht sich dieser tränenreiche Reigen der Leidenschaften hauptsächlich darum, dass frau den Einen finden muss. Das Geschichten-Patchwork findet seine Entsprechung im Wesen des Quilts, jener reich verzierten Steppdecke, die in den USA häufig bei Eheschließungen überreicht wird.

Auch zum Psychiatriedrama Girl, interrupted, das dieses Jahr unter dem Titel Durchgeknallt über deutsche Leinwände lief, hat Winona Ryder einen biografischen Bezug: Ihr Vater schenkte ihr das Buch, als sie die Klinik verließ, in die sie sich selbst hatte einweisen lassen

mit Anfang 20 erlebte sie nach fünf Jahren Dauerdreh und der Trennung von Johnny Depp den ersten Burn-out. Seitdem verteidigt sie ihr Privatleben als Menschenrecht - immerhin wurde sie schon als Zwölfjährige Mitglied von amnesty international.