Das Wunder, durch das der kleine Amahl (in Menottis Oper Amahl und die nächtlichen Besucher) geheilt wird, hat Götz Friedrich nur noch über eine Videoleitung verfolgen können - am eigenen Körper erleben aber durfte er das auch für sich Erhoffte nicht mehr. Drei Tage nach der Premiere seiner letzten Inszenierung musste er die Schlussworte der drei Könige auf sich selber anwenden: "Hell wird es nach langer Nacht. O du schöner Tag des Friedens!"

Ein halbes Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit als Intendant der Deutschen Oper Berlin, die er zwei Jahrzehnte leitete in der (mit ihm) aussterbenden Art eines väterlichen Prinzipals, mitten in den tiefsten Sorgen und den bitteren Querelen um Existenz wie Qualität "seines" Hauses (und nicht zuletzt auch dadurch besiegt), zwang die Krankheit ihn, selber zu erfahren und zu beantworten, was er auf der Bühne in aller Irrealität wie allem Zauber aus der transzendierenden Kunst-Idee immer wieder in die Musiktheater-Realität zu übersetzen suchte: die mythische Frage nach Wesen, Wirklichkeit und Wahrheit von Liebe und Tod. Am Dienstag starb Götz Friedrich, 70 Jahre alt, in Berlin.

Mit Amahl und seinen Königen geht er nun - adagio ma non troppo - auf den großen Stern in der Ferne zu.