Dass das Verhältnis zwischen Bauherren und Handwerkern nicht immer das beste ist, ist nicht neu. Doch immer häufiger endet mittlerweile auch die Zusammenarbeit zwischen Häuslebauern und Architekten vor Gericht. Gestritten wird vor allem dann, wenn die tatsächlichen Baukosten höher sind als ursprünglich vom Architekten veranschlagt - ein Phänomen, das eher die Regel als die Ausnahme ist. Denn für den Architekten gilt: Je teurer ein Bau am Ende ist, umso höher ist auch sein Honorar - dank der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).

Danach bestraft sich selbst, wer als Architekt tatsächlich die billigsten Handwerker ausfindig macht oder den Markt mühevoll nach preiswerten Baumaterialien abklappert. Denn das Honorar, so will es die HOAI, berechnet sich prozentual nach den Baukosten. Mit anderen Worten: Architekten, die teure Handwerker anheuern oder hohe Materialkosten akzeptieren, treiben damit automatisch das eigene Einkommen in die Höhe.

So kann, wer beispielsweise seinem Bauherrn ein Eigenheim für nur 300 000 Mark hinstellt, laut HOAI mit einem Honorar von maximal 47 200 Mark rechnen.

Wird das Haus hingegen 100 000 Mark teurer, steigt das Honorar um immerhin gut 10 000 Mark (siehe Tabelle).

Kein Wunder, dass Mario Monti, der Wettbewerbskommissar der EU, zum Leidwesen der Architekten zum Angriff auf die Honorarordnung bläst. Nach Anicht des Italieners handelt es sich bei der HAOI um nichts anderes als eine kartellrechtswidrige Preisabsprache. Das sehen die deutschen Architektenkammern naturgemäß anders. Die HOAI diene, so ihre Argumentation, in erster Linie dem Verbraucherschutz. Die von Laien nur schwer einzuschätzenden immateriellen Leistungen des Architekten würden durch sie in eine transparente Struktur gebracht. Eigenartig nur: Außer in Griechenland dürfen in allen anderen EU-Ländern Architekten mit ihren Kunden die Preise für ihre Dienstleistung individuell aushandeln.

Potenzielle Bauherren tun deshalb gut daran, schon die ersten Kostenangaben des Architekten gründlich zu überprüfen - möglichst noch vor Vertragsabschluss. Ob die Angaben wirklich realistisch sind, kann man zumindest überschlagen, indem man die geplanten Kosten durch die Zahl der gewünschten Quadratmeter dividiert. Preise unter 2000 Mark gelten als ausgesprochen günstig - die Gefahr, dass die tatsächlichen Kosten am Ende höher sind, ist entsprechend groß.

Solche Plausibilitätsprüfungen sind umso wichtiger, weil Architekten gemäß HAOI eine rechtlich verbindliche Kostenrechnung erst relativ spät vorlegen müssen. Zunächst erfolgt danach während der Vorplanung eine Kostenschätzung.