Die Arbeitslosigkeit ist hierzulande noch immer das wichtigste Problem, das meinen 44 Prozent der Deutschen. Jeder Vierte hält laut Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen den Rechtsradikalismus für besonders bedenklich. Und Platz vier auf der Liste nimmt, nach der Rente, das Thema "Asyl/Ausländer" ein. All diesen Sorgen soll die neue Verordnung Rechnung tragen, die Flüchtlingen künftig das Arbeiten erlaubt. Herausgekommen ist ein praxisferner Kompromiss.

Der Grundgedanke ist richtig. Ab 1. Januar 2001 dürfen Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge wieder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. So will es der Kabinettsbeschluss. Der Erlass von 1997, der alle seither Eingereisten zur Untätigkeit verdammte, ist endlich vom Tisch. Rund 80 Prozent der Flüchtlinge könnten nun einen Job finden, rechnet das Arbeitsministerium freudig vor. Die Sozialhilfekassen würden um 900 Millionen Mark pro Jahr entlastet, die Sozialversicherungen dürften gar 1,3 Milliarden Mark mehr einnehmen. Und das von Einzahlern, die womöglich nie Rente beantragen, weil sie dann längst wieder in der Heimat leben.

Doch die Bundesregierung hatte Angst vor der eigenen Courage. Keinesfalls sollen Asylbewerber den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen. Deshalb dürfen Flüchtlinge auch in Zukunft nur arbeiten, wenn sich niemand sonst für den Job findet

Deutsche, hier lange ansässige Ausländer und Bürger anderer EU-Staaten haben Vorrang. Den Arbeitgeber stellt das auf eine harte Probe.

Wenn ihm ein Asylbewerber geeignet scheint, gerät er in die Mühlen der Bürokratie. Das Arbeitsamt prüft mindestens vier Wochen lang, ob es nicht andere Arbeitslose vermitteln kann. Die Folge: Der Arbeitgeber muss zahlreiche Vorstellungstermine vereinbaren - mit Menschen, die meist kaum Interesse zeigen. Denn Jobs, für die sich Asylbewerber anbieten, sind fast immer unattraktiv.

Die Arbeitslosenquote ist im Westen inzwischen auf 7,9 Prozent gesunken. In Bayern und Baden-Württemberg liegt sie sogar unter fünf Prozent. Schon meldet sich das Handwerk zu Wort, das über Mangel an Facharbeitern klagt. Die gut ausgebildeten Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, die noch vor dem Arbeitsverbot von 1997 kamen, konnten hier manche Lücke füllen.

Vor allem aber herrscht Bedarf bei ungelernten Tätigkeiten mit geringem Prestige und niedrigem Lohn. Gebäudereiniger müssen Aufträge ablehnen, weil ihnen Putzkräfte fehlen. Hotels und Gaststätten suchen dringend Zimmermädchen und Küchenhelfer. Die Bauern könnten ohne ausländische Hilfe die Ernte nicht einbringen. Sie dürfen deshalb alljährlich 200 000 Saisonkräfte aus Osteuropa holen. Sinnvoller wäre es, hier lebende Asylbewerber Geld verdienen zu lassen. Doch es wird auch in Zukunft einfacher sein, das Kontingent aus Osteuropa zu nutzen. Denn diese Menschen kommen bereits mit befristeter Arbeitserlaubnis - und bei ihnen muss kein Vorrang anderer Arbeitsloser geprüft werden.