Wenn jemand im Erzgebirge einen Affen sieht und sagt: Schau mal, der kann klettern wie ein Bergsteiger, dann ist das falsch. Menschen, die so klettern wie Affen, gibt es nicht. Das weiß ich, da ich unweit eines Affengeheges aufgewachsen bin. Vom Rücken meiner Mutter aus habe ich sie beobachtet und dabei festgestellt, dass im Gegensatz zu den Affenmüttern, die sich mit ihrem Baby locker von Baum zu Baum schwingen, meine Mutter nach wenigen Metern bergauf wie eine Kaffeemaschine schnaufte.

Die Affenväter hingen meistens einarmig an den Ästen und ließen sich nur herunterfallen, wenn es etwas zu stibitzen gab: Popcorn, Damenhandtaschen, Toupés und Fotoapparate. Wer sein Zeug zurückhaben wollte, erntete ein grimmiges Zähnefletschen. Schon mal ein Affengebiss aus der Nähe gesehen? Da wird einem nicht unbedingt weihnachtlich zumute.

Deswegen sollte auch niemand auf die Idee kommen, seinen Kindern einen lebenden Affen im Baum zu verstecken. Ein Kletteraffe aus dem Erzgebirge tut's genauso. Er knurrt nicht, kann genauso schnell klettern wie seine lebenden Verwandten und hat sogar noch ein Baby auf der Schulter. Zieht man an der Schnur, saust er schneller nach oben als ein Bergsteiger am Seil nach unten. Wenn man Glück hat, entzündet er oben in der Wohnzimmertanne die vierte Adventskerze und beobachtet durch seine scharfen Holzaugen das kleptomanische Treiben seiner Kumpels im fernen Freigehege.

Das Äffchen mit Baby kommt am besten mit der Kinder-Tanne in die Kiste, 17 Mark, Stroh- und Original Erzgebirgskunst Johanna Petzoldt, Sophienstr. 9, 10178 Berlin, Tel. 030/282 6 754