Neulich saß ich in einem Raum voller Stühle, und vielleicht 50 Zentimeter vor mir stand Peter Voß und sagte, dass alles gut sei mit dem Fernsehen. Peter Voß muss es wissen, bis eben war er Chef der ARD. Kluge Menschen stellten Peter Voß kluge Fragen, und alle waren sich einig, dass die Qualität der Öffentlich-Rechtlichen nicht gelitten habe. In meinem Kopf dröhnte es: Beckmann, Kerner, Beckmann, Kerner.

Gut, im Vorabendprogramm habe man Kompromisse gemacht, um die Menschen auf die Tagesschau zuzufahren, sagte Voß. Ich dachte: Nimm den breiten Pfad, auf dem es sich gut gehen lässt, dann wartet das Glück. Die Tagesschau. Dann dachte ich: Beckmann, Kerner. Ich dachte es so laut, dass Voß es hätte hören müssen, und ich konnte nichts dagegen tun. Es war keine Absicht. Niemand, der noch was Schönes vorhat im Leben, denkt an Kerner und Beckmann. Voß hörte mich nicht. Ich habe dann lange überlegt, wie man vorsichtig sagen könnte, dass die beiden so dumm daherkommen, dass man die Rundfunkgebühren wieder einklagen sollte. So anmaßend dumm, dass man stumm in der Ecke sitzen möchte und weinen. Ich habe mich nie übers Fernsehen geärgert, bis diese beiden auftauchten und erst über den Fußball lächelnd ihre Soße gossen, dann über die Gespräche, die Interviews, schließlich über alles. An der Soße erkennt man den Koch. Hier also, was die beiden in die ihre mischen: saudummes Grinsen, krenzblöde Fragen. Mehr nicht. Ich weiß noch, wie Beckmann Sarah Ferguson, Exgattin von Prinz Andrew, auf ein Schaukelpferd gesetzt hat, weil ihr eine Affäre mit einem Reitlehrer nachgesagt wurde. Dazu grinste er, als wäre ihm gerade ein Streich gelungen. Es war eine der plumpesten Beleidigungen, die ich je im Fernsehen gesehen habe, und Beckmann konnte mit seinem Witz selbst gar nichts anfangen, außer saudumm zu grinsen. Er wand sich, er suchte, aber es fiel ihm nichts ein. Er sabberte aufgeregt irgendwas, und ich dachte: Gut. Sie schmeißen ihn raus. Stattdessen gaben sie ihm den Samstagabend. Ich habe damals meinen Fernseher abgebaut, ich habe den Fernseher in eine Ecke gestellt, und ich war glücklich. Beckmann, Kerner, sagte ich laut, und ich sagte es schneidend, mutig. Später las ich vom Aufstieg der Kerner ("Entschuldigung, ich muss das jetzt fragen") und Beckmann ("Ja, klatschen Sie ruhig"). Ich fuhr im Geiste zwischen Skylla und Charybdis hindurch und lächelte, denn ich hatte Schlimmeres gesehen. Ich notierte kleine Traktate, die Beleidigungsklagen nach sich gezogen hätten.

Manche wurden in kleinen Blättern veröffentlicht. Aber wer hoch oben ist und grinst, der liest die kleinen Blätter nicht. Ich war sicher und frei. Dann aber wurde ich schwach im Geiste und schloss die Kiste wieder an, und als ich erneut vor dem Fernseher saß und sah, was sich tat, notierte ich still: Niemand hat es gemerkt. Die beiden grinsen jetzt falsch und verbindlich, noch schlimmer als je bei den Privaten. Sie sonnen sich im Glanz des Gebührengeldes. Eitle, selbstgefällige Gecken, die so tun, als ob sie nahe dran seien am Menschen

die mit ihren verständnisvollen Blicken so eindringlich nach Wut verlangen, nach Rausschmiss und ewiger Ächtung, und die stattdessen immer besser dotierte Verträge bekommen.

Peter Voß nahm mehr Fragen entgegen. Ich hatte mich früh gemeldet, und ich wollte ihm die beiden Schimpfwörter um die Ohren knallen. Beckmann, wollte ich sagen, wie ein Peitschenhieb, und Kerner, wie ein Schnitt ins Fleisch.

Als ich endlich das Wort erhielt, war ich stumm geworden vor Wut. Ich konnte nicht sprechen. Schließlich grinste ich, saudumm vielleicht, aber irgendwie verbindlich. Voß lächelte voller Verständnis zurück.

Der Autor arbeitet als freier Journalist in München