Mein Leben ist nicht interessant, meinte er, aber es könnte geschehen, daß man später einmal in irgendeinem Winkel einer alten Bibliothek auf eine Ausgabe meiner Werke stößt. Vielleicht wird man neugierig sein, zu erfahren, wer dieser merkwürdige Mann war, der so viel über sein Leben und seine Arbeit geschrieben hat. Und dann begann er: Ich war glücklich geboren, und wenn ich nicht immer glücklich gewesen bin, so war es einzig meine Schuld. Meine Mutter brachte mich fast ohne Schmerzen zur Welt und liebte mich deshalb nur desto mehr. Als ich zum erstenmal das Licht erblickte, kündigte ich mich nicht durch Schreien an

dieses sanfte Wesen gab so von Anfang an seinen friedfertigen Charakter zu erkennen, der sich in der Folge auch niemals verleugnet hat. Ich war der Liebling des Hauses ... Meine Mutter sorgte für meine Erziehung, mein Vater für mein Vergnügen

er ließ für mich ein Marionetten-Theater bauen, und ich fand im Alter von vier Jahren diesen Zeitvertreib ganz köstlich.

Aber schon zu der Zeit scheint es der Familie finanziell schlecht ergangen zu sein, und er schrieb später, dass sie auf einmal aus dem besten Wohlstand in die unbehaglichste Mittelmäßigkeit herabsank. Unsere Güter waren längst verkauft oder verpfändet ... Und zum Übermaß des Unglücks brachte meine Mutter ein zweites Kind zur Welt, meinen Bruder ... Mein Vater geriet hierüber in nicht geringe Verlegenheit und machte eine Reise nach Rom. Meine Mutter blieb allein mit ihrer Schwester und ihren beiden Kindern an der Spitze des Hauses.

Den jüngeren Sohn gab sie in Pension und beschäftigte sich einzig mit mir.

Die Reise des Vater nach Rom hatte einen guten Grund: Er absolvierte dort ein Medizinstudium und wurde Arzt, während der Sohn in Rimini bei den Dominikanern Philosophie studierte. Aber nach nur einem Jahr entfloh der 14-Jährige den Dominikanern mit einer Komödiantentruppe. Zehn Jahre später, nachdem er Jura studiert hatte und zum Doktor beider Rechte promoviert worden war, ließ er sich in Venedig als Rechtsanwalt nieder und wartete auf Mandanten. Als keine kamen, wandte er sich jenem Gebiet zu, auf dem er zu großem Ansehen und auch zu Geld kommen sollte.

Er konnte gut schreiben, anschaulich, humorvoll, auch ironisch und übertreibend. Oft sind es eigene Erlebnisse, die er beschreibt, wie zum Beispiel seinen Besuch bei Clemens XIII. in Rom: Dieser Papst, der aus Venedig gebürtig ist, empfing mich auf das gnädigste. Er unterhielt mich drei Stunden lang, sprach immer von seinen Neffen und Nichten und war sehr vergnügt über die guten Neuigkeiten, die ich von ihnen zu erzählen hatte.