Als junger Arzt wird man im Krankenhaus verheizt", klagt Ulrike Marquardt.

Die Medizinerin berichtet von einem Kollegen, der nach 48 Stunden Dienst am Operationstisch zusammengebrochen sei. Der lapidare Kommentar des Chefarztes: "Legen Sie sich zehn Minuten hin, dann machen wir weiter." Für ihre Karriere nähmen viele Assistenzärzte einfach alles in Kauf, behauptet Marquardt. "Ich wollte mich nicht zwischen Nacht- und Wochenenddienst aufreiben lassen."

Deshalb wechselte sie von der Radiologie zur Bundeswehrverwaltung und danach zum Bremer Amt für Gesundheit und Umweltmedizin. Schließlich absolvierte sie das Aufbaustudium Bevölkerungsmedizin und Gesundheitswesen in Hannover. Heute arbeitet Ulrike Marquardt am Bremer Krebsregister und stellt Daten zur Ursachenforschung und Therapiebewertung zusammen. Nie und nimmer wolle sie zurück ins Krankenhaus.

Der Halbgott in Weiß hat als Traumberuf ausgedient. Zwar ist die Arbeitslosigkeit unter Medizinern mit drei Prozent vergleichsweise niedrig.

Doch während die Bundesanstalt für Arbeit von knapp 8000 arbeitslosen Ärzten ausgeht, schätzt der Marburger Bund, die Interessenvertretung der Klinikärzte, deren Zahl auf knapp das Doppelte. Und immer mehr Ärzte sind unzufrieden mit den Berufsaussichten im Klinikbetrieb und suchen nach Alternativen.

Dabei spielen auch private Gründe eine Rolle. "Ich wollte aus der Routine im Krankenhaus ausbrechen", schildert Sabine Martin ihr Motiv zur Weiterbildung.

"Außerdem", sagt die dreifache Mutter, "ist die Arbeit in Klinik oder Praxis extrem familienfeindlich." Nun bewertet sie an der Medizinischen Hochschule Hannover mit Patientenbefragungen und ökonomischen Analysen ein onkologisches Krankenhaus.