Europa sucht seine Einheit. Der ideale Augenblick, um eine Idee aufzugreifen, die von den deutschen und polnischen Intellektuellen und Wissenschaftlern der "Kopernikus-Gruppe" soeben vorgestellt worden ist. Sie möchte die Gesprächsblockade über das "Schicksal der kriegsbedingt verbrachten Kulturgüter in Deutschland und in Polen" auflösen. Es geht um Kunstgegenstände und Archivalien, die - wie die Berlinka-Bibliothek - in polnischen Besitz gelangten, zum anderen um die Rückerstattung polnischer Kunst. Der Vorschlag lautet: Die Republik Polen wird als gleichberechtigter Partner in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) aufgenommen. Die "Berlinka" könnte dann in einer neuen Außenstelle der Stiftung, in der Jagellionischen Universität Krakau, verwahrt bleiben

oder aber eine neue Stiftung Mitteleuropäisches Kulturerbe wird eingerichtet, in die die SPK und andere europäische Kulturstiftungen eingehen. Gedacht wird nicht zuletzt auch an ein gemeinsames Museum des Krieges und der Versöhnung im 20. Jahrhundert.

Sitz: Warschau. Dazu der Schlüsselsatz: "Das Vernichtete ist verloren. Das durch neue Grenzziehung ,Verlagerte' kann als europäisches kulturelles Erbe von Deutschland und Polen gemeinsam wiedergewonnen werden." Ja, es gibt eine deutsche Bringschuld. Bisher hat sich die Berliner Politik an Symbolen wie dem Holocaust-Mahnmal oder dem Schloss festgemacht, der fast geglückte Versuch, Polen zu einem Land ohne Archive und ohne sichtbare Geschichte zu machen, ist keinen couragierten Gedanken wert gewesen - oder am bürokratischen, national-egoistischen Alltag gescheitert. Der Stiftungs-Gedanke, erst recht das Museum, lädt endlich ein zu einer öffentlichen Debatte über Verdrängtes. Zum Beispiel, dass auch Teile Polens zu Preußen gehörten. Erinnert wird an einen gemeinsamen Gedächtnis-Raum, dessen Trümmer sich zu etwas Neuem, europäisch Grundiertem, zusammensetzen ließen. Das wäre Teil eines Post-Nizza-Prozesses, den man sich herzlichst wünscht. gho