Angefangen hat alles ganz anders. Das Paar fällt sich nach überstandenen Gefahren und besiegten Rivalinnen/Rivalen in die Arme, die Geigen schluchzen, der Kuss währt lange und sagt: "Wir bleiben für immer zusammen."

Die Details sind dann eher lästig. Wir klären sie lieber später. Oft scheitert an ihnen die ganze Angelegenheit, noch ehe sie so recht begonnen hat. Ich lernte einmal ein Paar kennen, das für immer zusammenbleiben wollte, sich dann aber über der Frage zerstritt, ob seine oder ihre Eltern den Hochzeitsschmaus finanzieren sollten. Ziehen wir in meine oder in deine Wohnung/Stadt? Muss ich meinen Stammtisch aufgeben, wenn du deine beste Freundin nicht mehr siehst, die immer gegen mich gehetzt hat? Darf ich noch Bergsteigen gehen, wenn du meinetwegen nicht mehr in die Volkstanzgruppe tigerst, deren glutäugigen Prinzipal ich nicht ausstehen kann? Ich räume immer meine Klamotten in die Waschmaschine, du lässt die deinen einfach fallen. Ich schalte das Licht aus, wenn ich nur eine Minute aus dem Zimmer gehe; du lässt deine Anlage Tag und Nacht auf Standby laufen. Es ist doch nur eine winzige Mühe. Bist du nun zu egoistisch oder zu dumm, sie mir zuliebe zu ändern? Da kannst du dir das Gesülze über Liebe und Partnerschaft sparen.

Der Zusammenzwang behindert die Partner

Den Zustand, in dem solche Konflikte wurzeln, nennt man "Zusammenleben". Wer genauer hinsieht, bemerkt, dass der Zusammenzwang die Partner am Leben hindert. Man könnte sagen: Streit entsteht, wo es am Auseinanderleben fehlt. Die Partner sind sich viel zu nahe, sie verlangen totale Anpassung, die Symbiose, das Opfer der Persönlichkeit im Namen der Liebe. Sie sind wie zwei Bäume, die zu dicht nebeneinander stehen: In dem Raum zwischen ihnen kann nichts gedeihen.

Besonders schlimm werden die Konflikte, wenn es ein gemeinsames Kind gibt. Nur in der guten alten Zeit kitteten Kinder eine Ehe. Heute verschärfen sie den Wertekampf der individualisierten Partner. Mit Murren haben sich die Partner damit abgefunden, dass jede® seine Schrullen hat. Aber wenn dem Kind, das die verjüngte und verbesserte Ausgabe des kostbaren eigenen Selbst sein soll, die fremden Schrullen aufgezwungen werden, wird gekämpft bis aufs Blut.

Je höher der Anspruch ist, den ein Paar an sich stellt, desto verborgener bleiben solche Konflikte. Besonders virulent sind sie bei Traumpaaren: Selten wird jemand berühmt ohne Ehrgeiz. Ehrgeiz aber bedeutet, dass man lieber Hammer ist als Amboss, lieber andere prägt, als sich prägen zu lassen. Prominente ragen zudem hervor, das Licht fällt auf sie, die Öffentlichkeit will sie von allen Seiten beschauen. Das bringt Schattenseiten mit sich, die mindestens so interessant sind wie der Glanz. Wenn jemand zum Beispiel toll Tennis oder Fußball spielt, ist das nach einer Weile langweilig. Viel spannender wird dann die Frage, ob er auch ein mustergültiger Ehemann ist.

"Und darum wird beim happy end im Film auch meistens abgeblendt", dichtete Kurt Tucholsky. So halten es die Medien bis heute.