Alle müssen länger arbeitenSeite 4/6

Aber selbst dann, wenn uns im Laufe mehrerer Jahrzehnte die Umgestaltung unseres an Basisschwäche leidenden Bevölkerungsaufbaus gelingen sollte, kann eine positive Auswirkung auf das Zahlenverhältnis zwischen Verdienenden und Nichtarbeitenden erst nach mehreren Jahrzehnten wirksam werden. Daher wird in der Zwischenzeit eine Ausdehnung der Lebensarbeitszeit unabweisbar.

Das durchschnittliche Lebensalter, das ein neugeborener Deutscher bei seinem Tode erreicht, hat sich seit der Zeit von Bismarcks Invalidenversicherung gewaltig erhöht. Damals hatte die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen bei 40 Jahren gelegen, für Männer noch darunter. 1960 hat die Lebenserwartung für Frauen bei 72, für Männer bei knapp 67 Jahren gelegen.

Heute dagegen beträgt die Lebenserwartung für Frauen über 80, für Männer über 74 Jahre. Wesentlich bessere Arbeitsbedingungen, moderne Hygiene und Medizin, Krankenversicherung und Alterssicherung haben zu dieser günstigen Entwicklung beigetragen. Vermutlich wird die Lebenserwartung weiterhin steigen.

Anders als in früheren Jahrzehnten gehen die Menschen heute aber viel früher in Rente. Das 65. Lebensjahr, noch vor wenigen Jahrzehnten in unserer Gesellschaft als Normaljahr für den Beginn des Renten- und Pensionsalters angesehen, ist zur Ausnahme geworden. Die gegenwärtig relativ früh einsetzende Rentenzahlung ist einerseits für viele Menschen eine große Freude

andererseits liegt hier eine der mehreren Ursachen für die Überbeanspruchung der Finanzen der Rentenversicherung. Die Gesetzgebung der achtziger und neunziger Jahre hat der "Früh-Verrentung" gewaltig Vorschub geleistet. Man wollte dadurch verhindern, dass die von den Unternehmungen entlassenen Arbeitnehmer als zusätzliche Arbeitslose in Erscheinung treten

zugleich hat man durch diese "soziale Abfederung" manchen rücksichtslosen Unternehmensmanagern die moralische Last der Verantwortung für umfangreiche Entlassungen abgenommen. In nicht allzu ferner Zukunft wird das tatsächliche Rentenalter schrittweise wieder heraufgesetzt werden müssen.

Massenarbeitslosigkeit gefährdet das Rentenniveau der Zukunft

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