Abschied vom Alten
Ist das Familienunternehmen ein Auslaufmodell? Thesen
Um seine Zukunft hätte sich Karl Matthäus Schmidt nicht sorgen müssen.
Der Weg des Betriebswirts war, als Spross der traditionsreichen Schmidt Bank im fränkischen Hof, vorgezeichnet. Trotzdem nahm der Erbe sein Glück selbst in die Hand: Gerade einmal 24 Jahre alt, gründete er 1994 den Discount Broker Consors. Auch Christoph Mohn, jüngster Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn, tauschte seinen Job in der Music Group des Medienriesen mit dem Feuerstuhl des von ihm gegründeten Internet-Portalbetreibers Lycos Europe. Der Verlegererbe Alexander Falk, dessen Vater mit seinen Stadtfaltplänen einen Markenartikel geschaffen hatte, verkaufte 1997 den Verlag, um die Vision eines mobilen, Internet-gestützten Routenplaners zu verwirklichen.
Drei prominente Beispiele, die dafür stehen, dass eine wachsende Zahl von Firmenerben es spannender findet, Neues zu schaffen, als sich im väterlichen Betrieb mit alten Produkten auf gesättigten Märkten herumzuplagen. Auch wenn die größte Euphorie vorbei ist - der Gründungsboom der New Economy verschärft das klassische Problem alternder Familienunternehmer: die Nachfolgefrage.
Andere Probleme kommen hinzu - die Erosion des Generationenverbunds, ein höherer Finanzbedarf als früher und neue technologische Herausforderungen.
Unter Experten wird deshalb schon die Frage diskutiert, ob der Erfolgstyp des deutschen Mittelstandes nicht bereits ein Auslaufmodell ist, wie Professor Rudolf Wimmer von der Privatuniversität Witten-Herdecke in einem Buchtitel ketzerisch fragte.
Dabei hatten die deutschen Familienunternehmen auch ohne die New Economy schon genug Probleme. So errechnete die Deutsche Ausgleichsbank 1998, dass rund 300 000 mittelständische Unternehmen binnen fünf Jahren vor dem Generationswechsel stünden. Pessimisten gehen sogar von 700 000 Fällen im nächsten Jahrzehnt aus.
Gerade die kreativsten und besonders gut ausgebildeten Unternehmerkinder versuchen sich aber oft lieber als Pioniere, anstatt sich in das gemachte Nest zu setzen. Dabei geht es den Sprösslingen der Old Economy oft gar nicht darum, schneller reich zu werden. Was sie an der Gründerszene mindestens ebenso fasziniert, ist das Arbeitsumfeld ohne Titel und Hierarchien: Man ist per Du und vielfach privat befreundet.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren