Andersens Märchen

Josef Joffe: "Der Stillstand-Kanzler", ZEIT Nr. 1

Josef Joffe predigt zum wiederholten Mal die Dogmen des Neoliberalismus.

Das zentrale Dogma ist das der Flexibilisierung, das besagt, nur durch Flexibilisierung in der Arbeitswelt könne die Arbeitslosigkeit reduziert und das Wirtschaftswachstum gesteigert werden, wobei mit Flexibilisierung ganz explizit das hemmungslose Feuern und Heuern von Arbeitskräften gemeint ist.

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Ganz unabhängig davon, dass dieses Dogma in höchstem Maß menschenverachtend ist, ist es fraglich, ob wirklich Effizienz und Produktivität eines Unternehmens gesteigert werden können. Es heißt doch, die moderne Arbeitswelt brauche Menschen, die ihre Aufgaben weitgehend selbstverantwortlich lösen.

Mit welcher Motivation wird ein Mensch seine Arbeit verrichten, dem schon bei der Einstellung klargemacht wird, dass er jederzeit fristlos entlassen werden kann, wie soll auf solche Weise Selbstverantwortung entstehen?

Wolfgang Uchatius hat in der ZEIT Nr. 52 unter der Überschrift Das Neuseeland-Experiment anschaulich die negativen Folgen der Flexibilisierung geschildert: Reformen müssen zurückgenommen werden, Produktivität und Wirtschaftswachstum sind geringer als in dem angeblich überregulierten Deutschland. Auf die in den USA zu erwartenden Folgen hat schon 1998 Richard Sennett in seinem Buch Der flexible Mensch hingewiesen. Und schließlich: Die Mitarbeiter der New Economy haben die Vorteile von Gewerkschaften entdeckt, nachdem sie feststellen mussten, dass die Bezahlung mit Aktienoptionen einer Bezahlung mit des Kaisers neuen Kleidern (Andersens Märchen) recht ähnlich war.

Helmut Riekert, Spardorf

 
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