Bayerischer Börsenflop

Warum der Prädikatsmarkt in München bei Anlegern und Unternehmen nicht ankommt

Gerne würde man diese Geschichte im Stil von Asteriix und Obelix erzählen. Die von unbeugsamen Unternehmen bevölkerte Börse im Süden der Republik beschreiben, die nicht aufhört, Widerstand zu leisten. Doch leider existiert ein wichtiger Unterschied: Die Gallier sind erfolgreich. Die Bayern sind es nicht.

Dabei ist die Idee, die hinter dem Prädikatsmarkt der Bayerischen Börse steht, ganz einleuchtend. Im Gegensatz zum dominierenden Neuen Markt in Frankfurt, der ausdrücklich als Technologiebörse startete, wollten die Münchner klassischen Mittelständlern ein Forum für den Börsengang bieten.

Anzeige

"Wir sind von einem steigenden Bedarf ausgegangen", sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Börse, Andreas Schmidt. Schließlich fehlt es Mittelständlern oft an Eigenkapital und damit an Geld für Zukunftsinvestitionen. Über die Börse könnten sie es sich beschaffen.

Freilich dachten die Münchner auch an ihre eigene Zukunft. Mit dem Siegeszug des Computerhandels haben die Präsenzbörsen ausgedient, das Aktiengeschäft konzentriert sich zunehmend auf Frankfurt. Außer der Tradition und der Infrastruktur, die nun einmal vorhanden sind, gibt es keine triftigen Gründe, weshalb in Hamburg und Stuttgart, Bremen oder München noch Regionalbörsen bestehen. Krampfhaft mühen sich die regionalen Manager deshalb, neue Aktionsfelder zu finden. Düsseldorf stieg daher ins Venture-Capital-Geschäft ein, Berlin profilierte sich mit einer Online-Handelsplattform für Privatanleger. München, drittgrößte deutsche Börse, wollte die erste Adresse für bodenständige und zugleich börsenaffine Mittelständler werden. Im Juni 1998 startete der Prädikatsmarkt.

Prädikatsmarkt: Das klingt nach kontrollierter Qualität, wie bei einem anständigen Wein. Eine Notierung bekommen nur Unternehmen mit einem Grundkapital von zwei Millionen Mark. Mindestens 25 Prozent des Kapitals müssen als frei handelbare Aktien an der Börse platziert werden.

Vierteljährliche Aktionärsbriefe sollen Transparenz für den Anleger herstellen, der Jahresabschluss wird im Rahmen einer Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben.

Als Ende 1999 immerhin elf Unternehmen am Prädikatsmarkt notieren, spricht Geschäftsführer Andreas Schmidt von einem "fulminanten Start". Er kündigt bis Ende 2000 eine Verdoppelung der Unternehmenszahl an - "mindestens".

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service