Berlin, letzter Akt?

Das Trauerspiel der Hauptstadtkultur wird von manchen symbolisch für die Berliner Republik genommen. Andere geben dem Senator Stölzl die Schuld. Tatsächlich hat er die Probleme nur geerbt

In der letzten Woche hatte der Berliner Kultursenator endlich mal wieder einen Grund, sich feiern zu lassen: "Professor Dr. Christoph Stölzl", so verkündet ein Schreiben der schwedischen Botschaft unter imposantem Wappenschmuck, "wird am 5. Januar 2001 vom schwedischen Botschafter Mats Hellström zum Ritter erster Klasse des Königlichen Nordsternordens ernannt.

Der schwedische König Carl XVI Gustaf entschloss sich zu dieser Ordensverleihung aufgrund deutsch-skandinavischer Projekte, die Prof. Dr.

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Stölzl noch während seiner Museumslaufbahn durchgeführt hat ..."

Die königliche Huldbezeugung erreicht den Senator in dunkler Zeit: Christoph Stölzl muss dieser Tage ziemlich ferne schweifen, um ein freundliches Wort zu hören. Ach, die guten treuen Schweden! Sie wissen nichts von Bemühenszusagen, Bühnenstrukturmaßnahmen, Rechtsformänderungen, Lottomitteln, Aushilfsklauseln und Tarifsteigerungsausgleichsforderungen - jenen hässlichen Dingen also, mit denen sich ein Berliner Kultursenator den lieben langen Tag herumzuschlagen hat. Sie halten sich an die international bekannten Glanzleistungen, die Stölzl in einem früheren Leben als Museumsmann vollbracht hat.

Gut möglich, dass der Senator sich selber dieser Tage so manches Mal mit Reminiszenzen tröstet. Der Wind bläst ihm nun seit Wochen mächtig ins Gesicht. Stölzl wird jetzt schon, Monate vor Vollendung seines ersten Amtsjahres, mancherorts mit einer Wut abgeschrieben, die gewissermaßen das Reversbild der Emphase bietet, mit der man ihn seinerzeit als Lichtgestalt begrüßte. Sein politisches Schicksal ist mit der Reform der verschuldeten Berliner Musiktheater verknüpft. Seit Stölzl im vergangenen Herbst eine Debatte darüber angezettelt hat, beherrscht der Streit um sein Konzept die Hauptstadtblätter und die Salons. Die neue Unduldsamkeit, mit der jede Wendung in dem schier endlosen Schlagabtausch beobachtet wird, ist höchst erklärungsbedürftig.

Es ist in der Tat atemberaubend, in welchem Maß die Kulturpolitik der Hauptstadt in den letzten Jahren ins öffentliche Interesse gerückt ist. Die Opernreform als das Kernstück dieser Politik beschäftigt längst nicht nur die Habitués der beiden betroffenen Häuser und die zuständigen Kulturpolitiker.

Es geht hier um Fragen, die weit über das Ressort des Senators Stölzl hinausweisen. Die Kulturpolitik ist derzeit das Feld, auf dem das "Neue Berlin" (Eigenwerbung) mit dem größten Ernst vor einem wachsenden Publikum erprobt wird.

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