Brand-Sätze

Joschka Fischer und die Frankfurter Schule

Dem Spiegel ist die Fußnote zu entnehmen, der damalige Polizistenschreck und heutige Außenminister Joseph Fischer habe in den Jahren des linken Protests artig die Frankfurter Vorlesungen der Herren Adorno und Habermas et alii besucht. Das klingt, als habe der Straßenkämpfer, während sich seine "Putztruppe" noch die Wunden leckte, im Hörsaal erst geistig nachgerüstet, um dann im Kampf gegen das "Schweinesystem" fremde Gedanken zur eigenen Tat reifen zu lassen.

Nur, was mag Fischer zu hören bekommen haben? Theodor W. Adorno malte die Bundesrepublik bekanntlich in düsteren Farben, schwarz in schwarz, fast so wie Heidegger. Recht abschätzig sprach er von "formaler Demokratie" und vom "universalen Leben unter dem Gesetz der Selbsterhaltung und des Profits". Der gleichgültige "Einzelne habe nichts anderes als dies Gleichgültige", und das "Sinnlose wird ihm als Sinn seiner Existenz aufgezwungen". Auch der Philosoph sei ein "Bergmann ohne Licht", der sich durch das "Dunkel hindurcharbeiten muss".

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Ein Brandsatz ließ sich daraus nicht verfertigen. "Destruktion", hielt Adorno den Studenten schon vor, führe direkt in die Barbarei. "Es ist ein Fehlschluß, vor dem ich Sie gern bewahren möchte, daß man deshalb, weil die Kultur misslungen ist, daß sie deshalb zum alten Eisen zu werfen sei." Und als hätte er die revolutionären Fantasien geahnt: Eine befreite "Unmittelbarkeit" aktiv herzustellen sei einer der "gefährlichsten Irrtümer, die im kollektiven Unterbewussten heute bereit sind".

Max Horkheimer, der andere Kronzeuge, war entsetzt über die linken Antiamerikanisten, die in den Vereinigten Staaten den Weltfeind Nummer eins sahen, den Schauplatz eines künftigen Faschismus, unter dem die Verbrechen der Väter beinahe verschwanden. "USA-SA-SS". Horkheimer damals mit Blick auf einen Teil der 68er: "Die sogenannte freie Welt bildet eine Insel, räumlich und zeitlich, deren Ende im Ozean der Gewaltherrschaften auch das Ende der Kultur bedeuten würde."

Und Jürgen Habermas, der junge Star, der kaum eine Vollversammlung ausließ?

Wie Adorno war er den Radikalen als liberaler "Überparteilicher" verhasst.

Zum Eklat kam es, als Habermas von "Scheinrevolution" sprach, von "ritualisierter Erpressung" ohne Respekt vor den "Recht und Freiheit garantierenden Verfassungsinstitutionen". "Wer eine revolutionäre Umwälzung taktisch ins Auge fasst und agitatorisch betreibt, verfällt schlicht einem Wahn." Wenn Joseph Fischer, wie der Spiegel süffisant schreibt, diese Veranstaltungen besucht hat, dann hätte er früher etwas gelernt, als seinen heutigen Kritikern lieb sein kann.

 
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