Die Scholle mieten

Mithilfe von Erbbaugrundstücken kommen Familien leichter zum Eigenheim

Sechzig Prozent aller deutschen Haushalte gehören dazu. Sie haben ein Jahreseinkommen von etwa 80 000 Mark und einen großen Traum: das eigene Haus.

Durchschnittlich 350 000 Mark können die so genannten Schwellenhaushalte dafür mithilfe von Bankkrediten aufbringen, doch das reicht nicht aus: Neun bis zehn Jahresgehälter braucht der deutsche Durchschnittsbürger, um an die eigenen vier Wände zu kommen. An die 50 Prozent hiervon frisst allein der Kauf eines geeigneten Baugrundstücks.

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Diesen Preis wollte Anette P. aus Lahr bei Offenburg nicht zahlen. Um die 700 000 Mark hatte die geschiedene Lehrerin auf ihrem Konto, als sie sich vor einigen Jahren von ihrem Mann trennte, doch bei vier minderjährigen Kindern war klar: "Eine Reihenhausscheibe in einem Neubaugebiet kam nicht infrage."

Kinderzimmer, Arbeits- und Gästezimmer, dazu ein großer Garten, all dies stand auf ihrem Wunschzettel. Zusammen mit einem entsprechenden Grundstück hätte sie etwa eine Million Mark investieren müssen. Anette P. wandte sich an die Erbdiözese Freiburg und fragte nach Erbbaugrundstücken. "Es war ganz einfach", erinnert sie sich. "Ich habe ein paar Mal telefoniert und relativ schnell ein ideales Baugrundstück gefunden." Die gesamten 700 000 Mark steckte sie in ihr Traumhaus, für das 1200 Quadratmeter große Grundstück zahlt sie jährlich 2000 Mark Erbbauzins an die Diözese: "Dass mir das Grundstück nicht gehört, ist doch vollkommen egal. Der Vertrag läuft 99 Jahre, und wenn meine Kinder dann wollen, können sie ihn mit einer simplen Unterschrift verlängern."

Eine schöne Geschichte, bei der alle Beteiligten profitieren. Anette P. und ihre Kinder leben in einem Haus, das sie plus Grundstück nicht hätte finanzieren können, die Diözese Freiburg zieht Gewinn aus einem Grundstück, das sie gemäß Stiftungsrecht nicht veräußern darf, und die Stadt Lahr freut sich über eine kinderreiche Familie in ihrem Stadtgebiet, die ansonsten in den Speckgürtel gezogen wäre.

Erstaunlich, dass bei so viel Erfreulichem das Thema Erbbaurecht - das früher gebräuchliche Wort Erbpacht wurde eingemottet - in Deutschland immer noch ein Schattendasein führt: In Italien werden 70 Prozent aller ausgewiesenen Baugrundstücke im Erbbaurrecht vergeben

in Großbritannien gibt es im ganzen Land verbreitet Leasehold-, also Erbbaurechts-Beratungsstellen

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