Die Wahnsinns-Lobby

Mit dem Rücktritt von Bauernminister Funke scheint eine Sensation möglich: Die Wende zum Ökolandbau. Doch eine neue Agrarpolitik hat mächtige Gegner - die Syndikate der industriellen Landwirtschaft

Ob Karlheinz Funke an diesem Montagabend selber schon weiß, dass er 24 Stunden später zurücktreten wird? Zumindest ist er, anders als sonst, nicht zu derben Sprüchen und Witzen aufgelegt. Müde wirkt er, wie er da am Kopfende des lang gestreckten Konferenztisches in seinem Büro in der Berliner Wilhelmstraße sitzt und lange Züge aus seiner Pfeife nimmt. Ein repräsentativer Raum, hell erleuchtet. Richtig eingerichtet hat Funke sich hier nie. Die Wände sind kahl, nirgendwo hängt ein Bild.

Wieder endet so ein furchtbarer Arbeitstag im Zeichen der Seuche: Anwürfe aus Brüssel, Rücktrittsforderungen aus dem Bundestag, Seitenhiebe aus dem Gesundheitsressort, politischer Druck vom eigenen Staatssekretär. Will er das alles noch länger aushalten? Noch vor kurzem hatte er gesagt: "Wenn der Korn kalt ist, das Essen gut und es nicht reinregnet, soll man nicht die Kneipe wechseln." Und jetzt? Kneipenwechsel?

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Noch nicht. Erst mal ein kleiner Ausflug in die Agrarphilosophie des Ministers. Da redet er, wie man ihn kennen gelernt hat, und in der Rückschau klingt es wie ein trotziges Vermächtnis: Bauern, sagt er, lebten nun mal nicht mehr in jener Bilderbuch-Idylle, die entfremdete Verbraucher so gern sähen

sie seien "Teil der Ernährungsindustrie, für die sie die Rohstoffe produzieren". Agrarfabriken? Ein Klischee. Ökologischer Landbau? Nur ein winziger Teil der Lösung. Eine Wende gar zum Ökolandbau, wie sie plötzlich diskutiert wird? Der Landwirtschaftsminister schaut wortlos in den Raum.

Irgendwann sagt er: "Das geht doch nur Schritt für Schritt."

Einen Tag später, am Dienstag, wieder ist es Abend, steht Funke im Innenhof des Ministeriums. Jetzt also doch Kneipenwechsel. Geradeheraus begründet er seinen Rücktritt: Die Diskussion um "eine so genannte völlige Neuausrichtung der Agrarpolitik" habe ihn "durchaus beschwert". Er gehöre nicht zu denen, "die nun alles zu streichen bereit sind, was sie in den letzten Jahren für richtig gehalten haben". Für den "gewünschten Neuanfang" wolle er "den Weg frei machen". Landwirtschaftsminister vom Stile Funkes, schreibt am Mittwoch die Westfälische Rundschau, "passen nicht mehr in diese heraufziehende Agrarwelt".

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