E.on, meine Zuversicht
Veronika Ferres macht Werbung. Für Strom? Oder wofür sonst noch? Eine Bilddeutung
Seit langem beschäftigt mich lebhaft das Fotoporträt von Frau Veronika Ferres, einer der Schönsten der Republik, vor einem blutorangefarbenen Hintergrund. Sie trägt ein sehr, sehr schulterfreies Kleid, halbwegs zwischen Busenkerbe und Halsansatz ein kleines Brillantkreuz, sehr blondes Haar und einen überraschend kühlen, hellblauen Blick.
Das alles ist Beschäftigungsgrund genug - aber echt sphinxhaft, sirenenhaft wird das Porträt erst durch eine Feststellung, welche sie mit geschlossenen Lippen abgibt, wohl im Geiste: Mein e.on steht mir gut. Nun weiß fast jedermann, dass e.on ein Energiegigant ist, der sich schrittweise unter anderem aus den alten Bayernwerken heraus in Verbindung mit der PreußenElektra entwickelt hat und auf einer Menge Rücklagen hockt, die er mit hoher Wahrscheinlichkeit (halb legal, da vom Gesetzgeber ursprünglich für den Rückbau von AKWs vorgesehen) für alle möglichen lukrativen Geschäfte nützt.
Neuerdings macht er von sich reden, weil er modernste, vom bayerischen Staat bezuschusste Kraftwerke zusperrt und darüber verhandelt, billigsten Schrottstrom aus Osteuropa einzukaufen.
Was das mit der Lieblichkeit der Frau Ferres zu tun haben soll, ist zunächst unerfindlich. Oder gibt es eine Verbindung zu diesem e.on, das ihr so gut steht? Aber wo ist es überhaupt, will man wissen
wo kann man es auf dem Porträt lokalisieren?
In Ostbayern, wo die Wut der Bevölkerung über das nachbarliche Temelin und seine Abnehmer zu einer e.off-Kampagne geführt hat, schrieb ein Unbekannter quer über das Porträtplakat: Mein Atombusen steht mir gut. Nun ist das Brustbild in der Tat beachtlich, aber von unmittelbaren körperlichen Attributen wird eine Dame nie behaupten, dass sie ihr gut stehen. Zudem wäre die Pointe bei anderen porträtierten Reklamepersonen, etwa Götz George, selbst bei Brustbild ein fader Herrenwitz, den man wie Tabakasche vom Revers schnipsen könnte.
Nein, das Rätsel ist mysteriöser, umfassender - deshalb quälender.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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