Es bleibt nur die Willkür
Gero von Randow: "Das Jahr der Biopolitik"und diverse Artikel im "Wissen" und "Feuilleton", ZEIT Nr. 1
Um von dem schmalen Pfad zwischen ethischem Nihilismus und moralischem Relativismus nicht abzukommen, ist Willkür unerlässlich: Da sich aus der Natur keine Kriterien ableiten lassen, das Gute vom Bösen zu scheiden oder auch das spezifisch Menschliche zu definieren, bleibt uns nur die Willkür, wie sie letzlich auch der Glaube an Gott oder andere moralische Instanzen darstellt. Willkürlicher Ausgangspunkt kann eigentlich nur eine, im Detail zugegebenermaßen schwierig zu definierende, allgemeine Menschenwürde sein.
Bei dem Versuch, präzedenzlose Situationen zu meistern, versagt traditionelle Ethik, da sie lediglich mit der Konstanz des menschlichen Wesens, Wissens und Könnens rechnet. Sie ist eine räumliche und zeitliche Nahkreisethik und nicht auf die Bewältigung von Fragestellungen ausgerichtet, die sich aus dem kumulativen Charakter menschlicher Technologie ergeben. Gerade bioethische Probleme können keiner endgültigen Lösung im Sinne eines Dogmas zugeführt werden, sondern werden nur dem jeweils aktuellen Gemeinsamen Ethischen Nenner (GEN) unterworfen, der ständig aktualisiert und den jeweiligen Bedürfnissen der Gesellschaft einerseits und dem Potenzial unserer techne andererseits angepasst werden muss, wie es Habermas mit der Diskursethik vorschlägt.
Während der GEN letztlich Produkt eines evolutiven, nicht determinierten Prozesses ist, können zumindest Regeln für alle Teilnehmer des Diskurses demokratisch festgelegt werden.
Joe Budumlu, München
Bereits 1977 habe ich das erste kritische Buch zur Genmanipulation veröffentlicht. Schon damals rechtfertigten Wissenschaft und Wirtschaft diese mit der Notwendigkeit der Menschenzucht. Durch Atomkraftwerke und ständige Kontamination durch Radioaktivität würde der Genpool der Menschen so verseucht, dass die Menschheit nur durch Genmanipulation überleben könne.
Außerdem gefährde der Mensch durch seine Aggressivität sein Überleben
daher müsse er aggressionslos (gehorsam) gemacht werden. Nur so könne er überleben.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren