Furby spielt Schach
Computerfreaks haben die Spielzeugroboter entdeckt - und hauchen ihnen neues Leben ein
Roboterspielzeug gehörte zu den Rennern im Weihnachtsgeschäft. War vor zwei Jahren der struppige Furby noch allein auf weiter Flur, so plappert und piepst inzwischen eine ganze Heerschar von "intelligenten" Spielzeugen in den Kinderzimmern. Und während die Kleinen oft schon wenige Wochen nach dem Fest die Lust an den elektronischen Spielkameraden verlieren, spielen die Eltern häufig weiter: Technisch versierte Erwachsene finden immer mehr Gefallen daran, die Kleinstroboter zu "hacken" und sie nach eigenem Geschmack zu verändern. So hat kürzlich ein kanadischer Computerexperte einen Furby in eine Art Butler verwandelt, der auf Wunsch die E-Mail vorliest, das Haus bewacht oder Schach spielt. Ein kleines "Furby Upgrade Kit" lässt sich bereits für 65 Dollar im Netz bestellen.
Reverse engineering, die nachträgliche und unautorisierte "Entschlüsselung" der Konstruktionsgeheimnisse von elektronischen Geräten, ist ein beliebter Sport unter amerikanischen Computerfreaks. Ob intelligente Spielzeuge, Billigrechner oder Handcomputer - es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand herausfindet, wie das Gerät arbeitet, und sich dann neue Anwendungen ausdenkt. Das war schon bei den ersten Taschenrechnern von Hewlett Packard so und setzte sich bei den Videospielkonsolen fort. Immer wieder gab es auch politisch motivierte hacks: Weihnachten 1997 tauschten etwa Mitglieder der feministischen Barbie Liberation Front in New Yorker Läden die Stimmbänder von Spielzeugpuppen aus. Danach bellte Barbie "Killer!", und GI Joe säuselte: "Mathe ist schwierig. Lass uns einkaufen gehen."
In vielen elektronischen Spielzeugen stecken heute regelrechte Computer, an die oft noch Mikrofone, Lichtsensoren oder Bewegungsmelder angeschlossen sind - und das alles zu einem Preis, für den kein Bastler sich die einzelnen Komponenten zusammenkaufen könnte. Dank Internet können die Hacker leicht ihre technischen Erkenntnisse austauschen und vor allem die Nachricht über ihre erfolgreiche Attacke schnell verbreiten. Denn der Ruhm ist ein Hauptmotiv dafür, dass intelligente Menschen so viel Zeit damit verbringen, elektronisches Gerät auseinander zu nehmen.
Ein beliebtes Objekt der Hackerbegierde ist derzeit Tivo, ein digitaler Videorekorder, in dem das Betriebssystem Linux steckt. Gleich zweimal wurde er jüngst "verbessert": Im Juni erhöhte ein Tivo-Fan die Speicherkapazität durch den Einbau einer zweiten Festplatte auf 60 Stunden
im November installierte ein anderer Bastler eine Ethernetkarte, sodass die Maschine nun Fernsehprogramme im Netz verbreiten kann.
Spielzeug zu knacken ist schwieriger, weil die Hersteller meist ihre eigene Technik verwenden. Zu deren Entschlüsselung empfiehlt ein Hacker mit dem Künstlernamen Kingpin, zunächst die Leiterplatte zu entfernen und ein Schema der Schaltkreise zu zeichnen. Mithilfe von allerlei Messgeräten lässt sich dann herausfinden, welche Funktionen die Anschlussstifte des zentralen Prozessors haben. Diese Information erlaubt es schließlich, das Gerät umzufunktionieren.
Lego lebt in friedlicher Koexistenz mit den Hackern
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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