Geld allein macht nicht kinderreich

Der Vorschlag platzte in die nachrichtenarme Zeit: Drei Jahre lang sollten Eltern für jedes ihrer Kinder 1000 Mark pro Monat erhalten, forderte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zum Jahreswechsel.

Seine Begründung: Der Rückgang der Geburten sei "eine tickende Zeitbombe".

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Die Prämie solle es Paaren erleichtern, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Ob und wie solche Instrumente tatsächlich wirken, ist bei Ökonomen allerdings umstritten. Empirische Belege sind rar. Sicher ist: Langfristig gibt es einen umgekehrten Zusammenhang zwischen Wohlstand und Kinderreichtum. Der Bielefelder Bevökerungswissenschaftler Herwig Birg spricht vom "demo-ökonomischen Paradoxon". In entwickelten Gesellschaften leisten die Menschen sich umso weniger Kinder, je mehr Kinder sie sich objektiv leisten könnten.

Ökonomen erklären dies vor allem durch steigende Opportunitätskosten - entgangene Einnahmen, die entstehen, weil ein Elternteil wegen der Erziehung von Kindern kein Geld verdienen kann. Dies falle heutzutage mehr ins Gewicht als Ausgaben für Kleidung oder Wohnraum von Kindern. Deshalb versprechen sich viele Experten mehr von einer Ausweitung der Ganztagsschulen oder einer Zunahme der Krippenplätze als von direkten Finanzhilfen, wie sie Stoiber vorgeschlagen hat.

Aber auch bessere Betreuungsangebote ändern am langfristigen demografischen Trend vermutlich nur wenig. Dafür sprechen Erfahrungen in Schweden. Jahrelang wurde das Land wegen seiner Familienförderung als Vorbild gepriesen, und tatsächlich war die so genannte Reproduktionsrate, die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau, zwischen 1980 und 1990 nach der Ausweitung von Betreuungsangeboten von 1,7 auf 2,1 gestiegen. Doch seitdem sank sie trotz aller Programme wieder auf 1,5 ab. Sie liegt damit nur 0,2 Prozent über dem deutschen Wert.

Viel spricht dafür, dass selbst üppige Fördermittel eher den Zeitplan der Familiengründung als den Kinderwunsch an sich verändern. Als in der DDR Ende der siebziger Jahre zahlreiche Programme für Familien eingeführt wurden, stieg die Geburtenziffer ebenfalls nur kurzfristig an. Vermutlich bekamen viele Paare ihre Kinder einfach früher als zunächst geplant.

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