Kampfname Bruno
Wenn es um sein Lächeln geht, versteht er keinen Spaß. Handelt es sich um einen mokanten Zug - oder doch nur um ein schiefes Grinsen? Der Inhaber hat es schon lange satt, von Reportern danach gefragt zu werden, und antwortet meist mit Variationen ungehobelter Wortstämme. Trotzdem hält sich die Meinung, dass er seine Augenschlitze nur um einen Zehntel Millimeter verengen muss - schon gebe es Tote. Bruce Willis gilt als einer der großen Gesichtsökonomen der Gegenwart. Und er verkörpert nicht nur häufig Werte der Arbeiterklasse, er kommt tatsächlich von dort.
Der Vater, ein Schweißer, zeugte ihn während seiner Zeit als GI in Idar-Oberstein. Die Mutter, aus Kassel stammend, zog mit nach New Jersey. Mit acht begann der Junge zu stottern. Aber immer, wenn er Texte vor Publikum wiedergeben musste, blieb es aus. Als Therapie verordnete man ihm Schauspielunterricht.
Die Welt - besonders die auf den Brettern - hatte nicht auf ihn gewartet, als er im New Yorker Stadtteil Hell's Kitchen ankam. Willis fuhr Lkw, jobbte als Barkeeper, feierte. In dieser Zeit legte er sich einen Nom de Guerre für das süße Leben zu: Bruno.
Bruno hatte die 30 überschritten, ehe er für die Serie Das Model und der Schnüffler entdeckt wurde. Zwei Jahre später nahm er seine erste Platte auf, The Return of Bruno. Schlichter Blues-Rock, aber ein Platin-Hit. Weitere Alben mit Musikern wie Johnny Winter oder Robben Ford folgten. Doch Bruno konnte die Mundharmonika erst mal zur Seite legen. Denn kurz darauf begann er, als New Yorker Polizist John McClane durch die Stirb Langsam-Filme zu rumpeln, und das dreckige Feinripp-Unterhemd schien an ihm festzuwachsen.
Willis beginnt seine Rollen häufig als Prügelknabe: jemand, der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht und sich als ruppiger, aber opferbereiter Held erweist. Ein Underdog, der schon halb nackt auf der Straße steht, wenn andere noch darüber nachdenken, die Ärmel hochzukrempeln. Ein einsamer Verteidiger von Moral und Ehre in einer Welt am Rande des Zusammenbruchs. Die Cops sind die letzte Grenze zwischen uns und der Anarchie - solche Ansichten vertritt Willis auch im realen Leben, wenn er sich als Republikaner und hoch angesehener Steuerzahler äußert.
Er selbst hält sich für einen Mann, der sich in seiner Freizeit um seine Kinder kümmert, mit Freunden ein Bier trinkt und ab und zu aus dem Fenster schaut. Was Willis dort meist sieht, ist das Städtchen Hailey in Idaho, das ihm und seiner Exgattin Demi Moore beinahe komplett gehört. Neben diversen Immobilienprojekten engagierte sich Bruno auch zusammen mit Sly (Stallone) und Arnie (Schwarzenegger) in der Whopper-Kette Planet Hollywood. Die allerdings verbriet hauptsächlich Geld.
Willis' Drang zu subtileren Rollen wie Breakfast of Champions oder The Sixth Sense begann Anfang der Neunziger und fand in 12 Monkeys einen ersten Höhepunkt. Regisseur Terry Gilliam soll eine Liste mit Willis acting cliches geschrieben haben, die im Film nicht vorkommen durften. Willis stimmte da zu: Wenn man wie ich eine Million Statisten gekillt hat, verliert es seinen Reiz.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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