Königreich Gallimard
Der Himmel des Pariser Bücherkönigs Antoine Gallimard ist blau. Ein Verlagsporträt
Aber dies ist doch keine Demokratie", korrigiert mit lachendem Befremden einer der Direktoren des Besuchers Fragen, "dies ist ein Königreich." Die Bestätigung dafür ist ein Wort lang
die Erkundigung, wer die Entscheidungen fällt, bescheidet der Verleger knapp: "Ich."
Das Haus Gallimard in der Pariser Rue Sébastien-Bottin Nummer 5 ist eine nationale Institution
wenig übertrieben kann man es den Louvre der Bücher nennen. Bei einer der in diesem Gewerbe unvermeidlichen Krisen intervenierte Staatspräsident Mitterrand. Wer im benachbarten Hotel Pont Royal absteigt - seine Bar war einst Hemingways Hauptquartier, ob Sartre oder Garca Márquez oder Italo Calvino: Man konnte sie alle dort treffen - und wer nicht aussieht wie ein Bankangestellter, wird bereits vom Concierge gefragt: "Ah, Sie sind Schriftsteller? Gewiss Gallimard-Autor?"
Der Enkel des Verlagsgründers Gaston, Antoine Gallimard, kann in aller Bescheidenheit sagen: "Dieses Haus repräsentiert drei Viertel des französischen Literaturerbes." Wohl wahr: ob Proust oder Céline, ob Sartre oder Aragon, ob Camus oder Saint-Exupéry, ob Apollinaire oder Malraux, ob Paul Valéry oder Paul Eluard - die Liste der Autoren ist Ehrfurcht gebietend.
Eine Akademie des Geistes. Schon bei Gründung des Hauses 1911, als Gaston Gallimard aus der drei Jahre zuvor geschaffenen Zeitschrift NRF (Nouvelle Revue Française) einen Buchverlag formte, war er umgeben von Beratern wie André Gide und Jean Schlumberger. "Wir waren eine kleine Gruppe von Freunden", schilderte er später das Abenteuer, "die sich für Bücher, für Literatur interessierten, und weil wir fanden, dass die anderen Zeitschriften nicht freundlich genug von dem sprachen, was wir liebten, gründeten wir 1908 eine eigene. Nach zwei Jahren genügte uns die Zeitschrift nicht mehr, und so haben wir 1911 einen kleinen Verlag gegründet."
Das erste Buch der Librairie Gallimard war Paul Claudels Drama Die Geisel, es folgte André Gides Isabelle
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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