Mit ihr starb ein Stil

Janis Joplin war ein dickes Kind aus Texas, getrieben von Wut. Zwei Biografien erkunden, weshalb sie so berühmt wurde

Jedem fällt auf Kommando zumindest eine ihrer Songzeilen ein. Kein Buch über die Geschichte der Frauen in der Rockmusik kommt an ihr vorbei.

Peinlich, wenn sie in der Plattensammlung fehlt. Über Janis Joplin lässt sich eigentlich nichts mehr sagen, könnte man meinen, und sich höchstens ein kleines bisschen wundern: Dass von damals genauso berühmten Kollegen, Jimi Hendrix und Jim Morrison, heute noch eine Million Platten jährlich verkauft werden, während ihre Alben gerade mal 50 000mal verlangt werden. Mit ihr ist der ganze Stil gestorben, für den sie gefeiert wurde, keine Epigonen, keine Musikerinnen haben sie sich zum Vorbild genommen. Janis Joplin war der erste weibliche Superstar des Pop, ihre Musik aber ist wie weggerutscht. Warum?

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Eine Frage, die leider weder Alice Echols noch Heinz Geuen viel beschäftigt hat, als sie sich entschieden, auf den Berg von Biografien, den es über sie schon gibt, noch zwei weitere zu legen. Viele Anekdoten, die Echols und Geuen hier aneinander reihen, sind längst bekannt. Und trotzdem nicht langweilig.

Das Rätsel, das beide antreibt, ist die Frage nach der Herkunft von Janis' selbstzerstörerischer Wut und die Wucht der Begeisterung, die diese auslöste.

Wie konnte ein verspottetes dickes Kind aus Texas mit Pizzagesicht so berühmt werden? Schön, dass beide Autoren die Antwort auf diese Fragen nicht wie ihre Vorgänger in einer Psychologisierung der Sängerin suchen.

Wenn sich Janis der Vorstellungskraft entzieht, also ziemlich oft, weichen die Autoren gekonnt auf die Kulturgeschichte dieser Zeit aus. Alice Echols, eine Historikerin aus Kalifornien, ist eine Kennerin der Sechziger Jahre.

Unzählige Interviews hat sie in vierjähriger Recherche für ihr Buch geführt, und so sehr ist sie Kind dieser Zeit, dass sie sich einmal sogar wundert, selbst überlebt zu haben. Zu den aufschlussreichsten Passagen gehören ihre Erzählungen über das Umfeld von Janis Joplin, den Underground in San Francisco, die Anfänge der modernen Musikindustrie und die Kommerzialisierung der Gegenkultur im Sommer der Liebe, mit Woodstock und der Hippiebegeisterung der Medien.

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