Russlands neuer Reichtum

Dank steigender Ölpreise kann das Land seine Probleme in Petrodollar ertränken

Moskau

Zu Weihnachten demonstrierten Wladimir Putin und Gerhard Schröder stimmungsvoll den Abschied von der alten Zeit. Das Gruppenbild mit Damen vor russischen Kirchen war ergreifend herzlich, doch frei von Kameraderie und Bruderküssen. Helmut Kohls kaukasische Strickjacke blieb im Haus der Geschichte der Bundesrepublik. Stattdessen hatte Kanzler Schröder nach Moskau genügend Krawatten mitgebracht, die er mehrmals am Tag wechselte. Das passte zur erhabenen Kulisse in der Erlöserkathedrale

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dagegen waren die Ergebnisse des Besuchs unaufregend wie Niedersachsen im Nieselregen. Deutsch-russische Begegnungen haben die Dramatik des 20. Jahrhunderts hinter sich gelassen.

Statt Leben und Tod, Freiheit oder Sozialismus, DDR oder einig Deutschland werden Wirtschafts- und Finanzfragen verhandelt. Moskau und Berlin haben zur Normalität gefunden.

Nicht, dass es dabei um Kleinigkeiten ginge. Russland hat nicht nur die Atomraketen, sondern auch die Altschulden der Sowjetunion übernommen und steht seither bei den Deutschen mit über 20 Milliarden Dollar in der Kreide.

Hinzu kommen 6,5 Milliarden so genannte "Transfer-Rubel" und Neukredite seit 1991 in zweistelliger Milliardenhöhe. In Moskau signalisierte Kanzler Schröder, über die "Transfer-Rubel" ließe sich "fantasievoll" sprechen - die Rede ist vom Umtausch in Aktien russischer Unternehmen. Alles andere müsse zurückgezahlt werden. Der russische Präsident gelobte die Bedienung der sowjetischen Altschulden, doch müsse darüber verhandelt werden, "wann wie viel und in welchem Umfang bezahlt werden muss". Die Russen möchten die Dinge strecken

die Deutschen finden: Moskau ist in der Lage zu zahlen.

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