Simultan macht stark
Der Kunstmarkt blickt zufrieden voraus
Das Jahr 2001 hat kaum angefangen, da scheint es von Märkten, Messen, Auktionen schon wieder von A bis Z durchstrukturiert zu sein. Ein Blick in die Vorschauen und Jahresübersichten schlägt den Takt an von London über Madrid, Maastricht, Bari, Brüssel, Leipzig, New York, Amsterdam, Paris, Basel, Berlin und Köln. Und unversehens könnte man sich in zwölf Monaten dort wiederfinden, wo man - und wenn auch nur im Planspiel - auf das Kunstmarktkarussell in den Januartagen aufgesprungen ist: Ausgerechnet in Miami, wo die von den Umsätzen her erfolgreichste Kunstmesse Art Basel neues Terrain erobern will.
Optimistisch startet die Branche nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2000 in die kommende Saison, für die mehr als 45 Termine der großen Märkte und Messen bereits bis zum Jahresende feststehen. Derweil sausen aber fleißig die Auktionshämmerchen in der Provinz von Abensberg bis Solingen über Varia, Militaria, Waffen, Kunst und Antiquitäten hinweg - das Paradies der kleinen Sammler.
Mehr als reich gedeckt ist der Tisch nach einer kurzen Verschnaufpause ab Januar wieder bei den beiden angestammten Spitzenhäusern. Christie's startet mit 59 (!) Auktionsterminen im Januar und Februar zwischen Amsterdam, London, Los Angeles, New York und Sankt Moritz. Alte Weine, Teppiche und Gobelins, darunter eine flämisch-französische Parkszene aus dem frühen 16. Jahrhundert mit wilden Tieren auf Millefleurgrund, außerdem surreale Werke und alte Meister, darunter das auf sechs bis acht Millionen Dollar geschätzte Porträt eines Mannes in rotem Wams von Rembrandt. In der so genannten Post War-Auktion am 8. Februar wird man im Stammhaus King Street in London versuchen, mit dem 1985 entstandenen und auf zwischen 650 000 und 850 000 Pfund taxierten Ölbild Venedig, Treppe von Gerhard Richter an den im vergangenen Jahr in den USA erreichten Rekord von 4,5 Millionen Dollar heranzureichen.
Kaum weniger prächtig geht Sotheby's das neue Jahr an: 24 Kataloge legt das Haus zu den Auktionsterminen von Januar bis März vor. Aus der Fülle ragt bei der Impressionistenversteigerung das einmal zwei Meter große und auf vier bis sechs Millionen Pfund geschätzte Seerosenbild von Claude Monet heraus sowie das Portrait einer Dame im Café von Henri de Toulouse-Lautrec, das bis auf eine Million Pfund taxiert ist.
An ganz andere Interessenkreise wendet sich der Verkauf der wissenschaftlichen Bibliothek und der Mineralienkollektion des amerikanischen Kaufmannes Joseph A. Freilich am 10. und 11. Januar in New York - mehr als 600 Bücher zur Geschichte der Mineralogie, Alchimie, Medizin und Astronomie aus fünf Jahrhunderten sowie rund 550 Mineralien. Zu den Glanzstücken dieser Sammlung zählen zwei Beryll-Kristalle, ein grünlich-gelb schimmernder Heliodor und ein meergrüner Aquamarin, beide aus Brasilien und auf zwischen 200 000 bis 300 000 Dollar geschätzt.
Bei Phillips, der dritten Kraft im internationalen Auktionsgeschäft, beginnt die Saison später, und man gibt sich noch gelassen, was die Hinweise auf kommende Highlights und Termine angeht. Die vorweihnachtliche Fusion mit der in Genf und Zürich ansässigen Kunstvermittlungs- und Beratungsfirma De Pury & Luxembourg lässt allerdings erwarten, dass Phillips in diesem Jahr noch größer auftrumpfen wird. Das Ziel ist bereits angepeilt: In der Kombination von Beratung, Handel und öffentlichen Auktionen will Phillips die "führende Adresse" unter den Kunsthandelsfirmen werden. Dazu wird auch das neue, aufwendig renovierte eigene New Yorker Domizil an der 3. West/57. Straße beitragen, das mit der Auktion der Impressionisten und Zeitgenossen Mitte Mai in Betrieb genommen wird.
Die deutschen Auktionshäuser blicken gleichermaßen zufrieden zurück und freudig voraus. Die Villa Grisebach in Berlin ist 2000 internationaler und erfolgreicher denn je mit Höchstpreisen für Fernand Léger und Henri Matisse auf dem deutschen Markt hervorgetreten. Für die neu hinzugenommene und gleich beim ersten Mal so erfolgreiche Abteilung Kunst der Gegenwart lässt man sich bis Juni Zeit.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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