Tonmeister
Acht von zehn Pop-, Rock- und Klassik-CDs auf der ganzen Welt werden von den so genannten Majors veröffentlicht - fünf globalen Musikkonzernen. Trotzdem versuchen die Manager des amerikanischen Konzerns Warner Music, der britischen EMI und der deutschen Bertelsmann Music Group (BMG) seit Monaten, aus den fünf Großen vier zu machen. In unterschiedlichen Konstellationen.
Zurzeit verhandeln EMI und BMG. Gingen die beiden zusammen, dann würden Robbie Williams und die Beasty Boys, Vanessa Mae und Die Schlümpfe demnächst vom gleichen Konzern vertrieben wie Puff Daddy, die Guano Apes oder Oli P. Da überrascht es kaum, dass der fusionierte Major in einigen Ländern eine marktbeherrschende Stellung - an die 30 Prozent - erlangen würde. Und das ruft die Wettbewerbshüter auf den Plan.
In Deutschland besitzt Bertelsmann etwa 20 Prozent Marktanteil, EMI um die 15 Prozent. "In anderen Ländern ist es ähnlich. Das unterscheidet sich höchstens um ein paar Prozentpunkte", skizziert ein Konkurrent die Situation.
Und deshalb wird, sobald die beiden ihre schon mehrfach angedeutete Fusion ausgetüftelt haben, die Frage losgehen: Welche Plattenfirma und welcher Musikverlag werden verkauft, um die Bedenken der Wettbewerbshüter aus Washington und aus Brüssel zu zerstreuen? Die Vorgespräche laufen.
Mittendrin ist unversehens einer, der vor wenigen Tagen noch den schwammigen Bertelsmann-Vorstandstitel Für-die-Inhaltezuständig (Chief Creative Officer) trug: Rolf Schmidt-Holtz. Zuvor hatte er sein Meisterstück abgeliefert - und aus dem unübersichtlichen Bertelsmann-Fernsehimperium CLT-Ufa ein profitables Unternehmen geschmiedet, das inzwischen an der Börse notiert wird.
Schmidt-Holtz ist der neue Geschäftsführer von BMG und wird demnächst wohl mitentscheiden, ob die Blue Note Records noch als Schmuckstück in einem fusionierten Konzern gelten könnten: "A high note, a low note, a true note, a blue note." goh
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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