Türkei plus, USA minus
Wenn die Deutschen ihre Pauschalreisen buchen, entscheiden sie oft auch darüber, in welchen Feriengebieten das Geschäft floriert. 1999 stand die Türkei nach den Terrordrohungen der PKK quasi leer, 2000 kehrten die Bundesbürger sorglos zurück. Um knapp 40 Prozent stieg im abgelaufenen Jahr die Zahl der deutschen Passagiere, die in Richtung Antalya oder Bodrum starteten. Für das neue Jahr deutet die Buchungslage auf weitere Rekorde hin.
Das Comeback der Türkei und der andauernde Boom in Ägypten gingen auf Kosten Tunesiens, Griechenlands und Spaniens. Im beliebtesten Urlaubsland der Deutschen registrierten insbesondere die Topziele Mallorca, Teneriffa und Gran Canaria Einbußen, nach den Erhebungen des Fachblatts FVW International über zwei Prozent. Die Kanarischen Inseln gelten vor allem im Winter als zu teuer.
Doch den spanischen Hoteliers bereitet der dosierte Liebesentzug der Deutschen kaum Kopfzerbrechen, weil sich die freien Betten in der Regel mit Touristen aus anderen Ländern und in steigendem Maße auch mit einheimischen Urlaubern füllen lassen.
Bei den Hotels in den USA fühlen sich Reiseveranstalter aus dem Gebiet des schwächelnden Euro mittlerweile als Bittsteller, die oft vergeblich um günstige Einkaufspreise feilschen. Denn die Herbergen in Metropolen wie New York, Miami oder San Francisco haben kein Problem, ihre Zimmer währungsstarker Kundschaft aus dem Inland, aus Kanada oder Großbritannien zu vermieten. Die Folge: Das Statistische Bundesamt registrierte für 2000 einen Rückgang bei den US-Reisen der Deutschen um 15,8 Prozent.
Der hohe Dollarkurs zusammen mit den vorübergehend explodierten Erdölpreisen hemmte auch in anderen Himmelsrichtungen das Fernweh: Asien ließ sich im abgelaufenen Jahr schlecht an den Urlauber bringen, allein Thailand muss ein Minus von 13,2 Prozent verkraften. Doch auch bei den Fernzielen gab es Gewinner: Die billige Karibik, Kuba und die Dominikanische Republik, lockte aufgrund enormer Überkapazitäten noch einmal mehr Schnäppchenjäger aus Alemania an. Kuba 14, die DomRep sieben Prozent.
Das meiste Geld geben die Deutschen allerdings weiterhin in Ländern aus, die sie zumeist ohne Veranstalterhilfe im eignen Auto ansteuern. Von den 73 Milliarden Mark, die zwischen Januar und September 2000 jenseits der Grenzen verjubelt wurden, beansprucht Italien mit 11,8 Milliarden Mark knapp vor Spanien (11,7 Milliarden) den größten Teil des Kuchens. Auf den Plätzen drei bis fünf ihrer Bestenliste führt die Deutsche Bundesbank Österreich (8,1 Milliarden Mark), Frankreich (5 Milliarden) und die Schweiz (4,7 Milliarden).
Zwei andere Nachbarstaaten bestätigen einen seit Jahren spürbaren Trend: Ein nettes und noch so geräumiges Quartier, dazu ein oft leerer Strand reichen den Deutschen zum Ferienglück allein nicht mehr. Die Niederlande und Dänemark mussten erneut Einbußen verzeichnen. Die Dänen wollen darauf jetzt reagieren und ihrer deutschen Klientel nicht mehr nur Ferienhäuser, sondern einen ganzen Urlaub verkaufen.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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