Warum hat der so gelbe Augen?
Anfassen erlaubt: Die Greifenwarte am Edersee bringt Stadtkinder zum Staunen
Heinrich dreht seinen Kopf nach rechts, schnell nach links, reckt sich und lässt sich streicheln. Zwanzig, dreißig Hände wollen Heinrich berühren: kleine dicke Patschhände, schmale Mädchenfinger, Damen- und sehnige Männerhände strecken sich ihm entgegen: Heinrich ist ein Uhu.
Er gehört zur Greifenwarte im Wildpark Edersee, mitten im Waldecker Land in Hessen. Heinrich ist der Vogel zum Anfassen. Sein Auftritt ist der Höhepunkt jeder Flugvorführung.
Einen Uhu zu streicheln macht beim ersten Mal sprachlos. Glatt wie Seide ist sein bräunliches Gefieder und weich wie Samt. Heinrich sitzt dabei ganz fest auf dem Lederhandschuh seines Falkners, Ludger Kluthausen. Er trägt das Tier ruhig an den Menschen vorbei. Sogar die Kinder verspüren leichte Scheu bei dieser Begegnung. Aber jeder darf Heinrich berühren, sanft.
Nicht alle die Vögel hier in der Greifenwarte sind zum Anfassen. Da gibt es noch Falken und Milane, den chilenischen Blaubussard, einen Weißkopfseeadler, einen Steinadler, ein Paar Kaiseradler und zwei Gänsegeier. An einer Lichtung des Forstes, die sich zum See hin öffnet, fliegen zuerst Falken und Milane.
Der Falkner erklärt den Besuchern viel über seine Tiere - aber allein sie anzuschauen ist hinreißend. Falken erfassen Fleischbrocken im Fluge, verändern dabei die Flugrichtung im Bruchteil von Sekunden. Rot- und Schwarzmilane sind größer, ihre Bewegungen schnell und elegant. Der Weißkopfseeadler ist noch jung, drei Jahre, daher ist sein Kopf noch nicht weiß. Seit kurzer Zeit gehört auch ein Aguja, ein chilenischer Blaubussard mit bläulich schimmerndem Gefieder, zu den Vögeln der Warte. Schon nach sechs Wochen umsichtiger Zuwendung ist er so weit, dass der Falkner ihn vor Publikum fliegen lassen kann.
Über den Köpfen ein feiner Luftzug - sssst
Der neueste Hit sind aber die beiden Geier Ernie und Bert. Sie gleiten von einem mannshohen Baumstamm über die Köpfe der Zuschauer hinweg zu dem zweiten Falkner - sssst. Ein feiner Luftzug folgt ihnen, und ihre Schwingen berühren dabei schon mal den einen oder anderen Schopf.
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
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