Wenn's sein muss, will ich auch ganz brav lange sitzen
Es war Krieg, und er, Sohn eines Pfarrers und junger Offizier der Kaiserlichen Marine, wurde als Zweiter Wachoffizier auf das U-Boot U 73 abkommandiert. Jahre nach dem Krieg schrieb er: Ich merkte langsam, daß U 73 seine Fehler und Schwächen hatte und daß mit diesem Fahrzeug wohl nicht viele Lorbeeren zu holen sein würden! ... Über Wasser entwickelten unsere beiden Körting-Diesel-Maschinen eine Geschwindkeit von 9,5 Seemeilen, sodaß uns jeder normale Frachtdampfer davonlief. Unter Wasser brachten wir das Boot für kurze Zeit bis auf 4 Seemeilen. Und er bemängelte Konstruktionsfehler, etwa: Unser 8,8-cm-Geschütz hatte der Konstrukteur hinter dem Turm angebracht, sodaß man dem Gegner, wenn man ihn beschießen wollte, erst das Heck oder mindestens die Breitseite zeigen mußte. Und er schloss aus solchen und anderen Fehlern: Das Boot sollte eben vor allem Minen transportieren, sich aber nicht in Gefechte einlassen.
Ebendies taten sie in günstigen Situationen aber doch, etwa als ihnen ein britischer Kreuzer auf vier- bis fünfhundert Meter vors Rohr lief: Erstes Rohr los! Sehrohr einfahren. Wir zählen die Sekunden. 30 ... 31 ... 32 ... Rrrums, Detonation: Unser Boot zittert in allen Spanten
der traf! Sehrohr ausfahren!
Da liegt er, leicht geneigt. Rings um uns her aber kracht es von einschlagenden Granaten, wir werden heftig beschossen und gehen schnell auf 25 Meter
dann legen wir noch eine kleine Minenserie quer zu unserm Kurs.
Plötzlich hinter uns eine starke Detonation. Flieger? Wir gehen auf 40 Meter Tiefe und fühlen uns um eine Nuance sicherer. Aber plötzlich fällt das Boot achterlastig. Tauchtank II ist undicht geworden, und es dringt Wasser ins Boot, das wir rauspumpen müssen. Das Wasser ist mit Öl vermischt, das an der Oberfläche eine weithin deutliche Spur hinterläßt. Erst am späten Nachmittag wagen wir uns nach oben, zu einem Blick durchs Sehrohr. Und da fährt hundert Meter hinter uns ein Zerstörer in unserm Kielwasser: ein mulmiges, und leicht bedrückendes Gefühl kommt einem im Halse hoch. Wir gehen wieder auf 30 Meter runter
um sechs Uhr sahen wir ihn nicht mehr und schnappten für einen Augenblick frische Luft an der Oberfläche, und gegen acht tauchten wir für die Nacht auf. Am nächsten Tag in der Südägäis brach das Drucklager der Backbordschraubenwelle, so daß wir nur noch mit einer Maschine fahren konnten. Und am Tag darauf mußte eine Zylinderpackung erneuert werden, und das bei schwerstem Wetter, wo man genug zu tun hat, um sich festzuhalten und nicht hinzuschlagen. Am Morgen des 9. August vor Hellwerden sichteten wir einen Zerstörer mit äußerster Kraft auf uns zuhalten
- Datum 11.01.2001 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 03/2001
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







